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Pat Garrett jagt Billy the Kid

Pat Garrett and Billy the Kid. USA 1973. R: Sam Peckinpah. B: Rudy Wurlitzer. K: John Coquillon. S: Roger Spottiswoode, Garth Craven, Richard Halsey, Robert L. Wolfe u.a. M: Bob Dylan. P: MGM. D: James Coburn, Kris Kristofferson, Richard Jaeckel, Katy Jurado, Chill Wills, Barry Sullivan, Jason Robards, Bob Dylan, Jack Elam, Slim Pickens, Harry Dean Stanton u.a.
122 Min.

Good Old Times

Von Frederik König Der Spätwestern: Ein Subgenre, das nicht nur produktionsgeschichtlich zu einer Zeit einsetzte, als der Western als Genre schon nicht mehr wirklich lebendig war, sondern sich auch inhaltlich mit dem Ende des »Wilden Westens« auseinandersetzt, als Gesetzlose um 1900 unter dem Druck der nach Westen dringenden Zivilisierung entweder zu ordentlichen Bürgern wurden oder das Zeitliche segnen mußten, um dem »Fortschritt« nicht im Weg zu stehen.

Kein anderer Filmemacher steht mehr für das Genre des »Spätwestern« als Sam Peckinpah, der mit seinen Elegien über die sterbende Freiheit und Wildheit des amerikanischen Westens kurz vor der Jahrhundertwende einen zentralen Schwerpunkt seines Werks geschaffen hat. In Pat Garret jagt Billy the Kid geht es um zwei Männer aus den alten Zeiten des Wilden Westens. Beide sind früher Freunde gewesen, werden mit der anbrechenden »modernen Zeit« konfrontiert, in der es kaum noch Platz für herumstreunende, freiheitsliebende und unzähmbare Wilde wie sie gibt. Während Pat Garret jedoch seinen Revolver in den Dienst des Staates und seiner zivilisierenden Regulierungsmaßnahmen gestellt hat, bleibt Billy ein gesetzloser Rebell. Es kommt, wie es kommen muß in einem Western, denn hier speist sich jeder Grundkonflikt aus der Konfrontation von Vergangenheit und Gegenwart: Pat Garret wird auf Billy the Kid angesetzt, um ihn zu jagen, zu töten und endlich für Ruhe im Westen zu sorgen…

Peckinpahs Film lebt als Spätwestern von der Umkehrung bestimmter stereotyper Motive: Während die klassische Rollenverteilung den Sheriff Pat Garret positiv und den Gesetzlosen Billy negativ zeichnen müßte, dreht Peckinpah hier die Besetzung um. James Coburn spielt einen korrumpierbaren Handlanger der staatlichen Institution, die zur Ausübung ihrer Kontrollmechanismen auch den letzten freien Menschen eingliedern oder ausmerzen muß. Angesichts seiner eigenen Vergangenheit, personifiziert durch seinen alten Freund Billy, zweifelt er immer wieder an seinem Auftrag, führt ihn dennoch konsequent bis zum Ende durch. Somit erhält Billy, gespielt von Kris Kristofferson, alle Sympathien des Zuschauers.

Die Jagd von Pat Garret nach Billy the Kid und dessen Ende durch die Kugeln aus Pats Revolver sind historisch verbürgt und in Amerika Allgemeingut. Für den Zuschauer enthält die Geschichte hinsichtlich ihres Endes somit eigentlich kein besonderes dramaturgisches Potential. Billys Ende ist von Anfang an vorgezeichnet, und mit jedem Handlungsschritt tritt an Stelle einer Spannung, die sich aus der wachsenden Erwartungshaltung des Zuschauers ergibt, eine dumpfe, schwere Melancholie, die durch den äußerst minimalen Country-Minnegesang von Bob Dylan unterlegt und verstärkt wird. Auf diese Weise wird der Film mehr und mehr zu einem langen, melancholischen Gedanken über den Western, anstatt ein Westernfilm im klassischen Sinne zu sein. Sogar die »Action« wird entdramatisiert, wenn Peckinpah das Knallen der Revolver, das Schwirren der Projektile, ihren Aufprall und den Sturz der Opfer in den trockenen Wüstenstaub in langen Zeitlupen zeigt und feiert. Man findet in diesen Momenten das, was man heutzutage in all den schnellen, brutalen und actionreichen Ballerfilmen vermißt: Den Pathos und die Schönheit von Mensch und Zeit – sogar im Angesicht des unausweichlichen und brutalen Todes. Vielleicht war damals wirklich alles ein bißchen besser… good old times. 2011-03-21 14:51

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