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The Dead Zone

USA 1983. R: David Cronenberg. B: Jeffrey Boam. K: Mark Irwin. S: Ronald Sanders. M: Michael Kamen. P: Dino De Laurentiis Company, Lorimar Film. D: Christopher Walken, Brooke Adams, Tom Skerritt, Herbert Lom, Anthony Zerbe, Colleen Dewhurst, Martin Sheen, Nicholas Campbell u.a.
103 Min.

Dear Christopher

Von Frederik König Was wären Der Pate, Scarface oder Heat ohne ihren Al Pacino? Was wären The Game, Wall Street oder Basic Instinct ohne Michael Douglas? Und was wären Die durch die Hölle gehen, Gods Army oder eben Dead Zone ohne den einzigartigen Christopher Walken? All diese Filme sind für uns im Nachhinein unvorstellbar ohne ihre großartigen Mimen. Erst die schauspielerischen Leistungen dieser Individuen packen den Geschichten der Regisseure und Drehbuchautoren das Fleisch auf die Rippen. Sie waren und sind der Geist dieser Filme, unsterblich, solange der Mensch noch Filme anschaut. Alle drei Schauspieler verbindet die Eigenschaft, daß sie in ihren Filmen Charaktere nie »spielen«, sondern mit den Figuren eins werden. Ihr Spiel wirkt nur selten aufgesetzt oder affektiert, fast immer impulsiv, persönlich und natürlich. Pacino war und ist am stärksten, wenn er den maskulin coolen Antihelden gibt. Douglas glänzte und glänzt noch immer, wenn er den eloquenten glattgebügelten Bourgeois mit seinen schmutzigen Geheimnissen mimt. Und Christopher Walken…

Christopher war, so scheint es in Bezug auf seine Rollenauswahl, immer eher der dunklen Seite, dem Leben im Schatten und seinen düsteren Gestalten zugeneigt. Schon ein Blick auf seine Physiognomie macht klar, warum die Regisseure und ihre Castingdirectors immer wieder auf ihn zurückgriffen, wenn es ums düstere Rollenfach ging: Die hohe fliehende Stirn, die runden, leicht hervorstehend-unterlaufenen Augen, die schnell zwischen starrendem Blick und argwöhnisch-musternden Schlitzen wechseln. Darunter ausgeprägte Backenknochen und ein kurzer gradlinig-schmallippiger Mund, der dem Gesichtsausdruck eine natürliche Strenge verleiht. Mit den Jahren prägte sich die Knochenstruktur unter Christophers blasser werdenden Gesichtshaut immer weiter aus und ließ einen schon aufgrund der schädelartigen Physiognomie düstere Assoziationen anstellen. Nicht ohne Grund wählte auch David Cronenberg ihn für die Hauptrolle in Dead Zone, seiner Verfilmung des gleichnamigen Romans von Stephen King aus. Christopher spielt einen jungen Lehrer namens Johnny, der einen Unfall hat und erst nach fünf Jahren aus dem Koma wieder erwacht. Mittlerweile hat seine Freundin einen anderen geheiratet und Johnny entdeckt nach und nach die seltsame Gabe, bei Körperkontakt mit anderen Menschen deren Zukunft vorauszusehen. Zunächst hilft er mit dieser Gabe den Leuten in seiner Umgebung, dann löst er einen Mordfall und zuletzt muß er um das Schicksal der ganzen Welt ringen, als er erfährt, daß ein Kandidat für das Präsidentenamt in der Zukunft eine nukleare Katastrophe auslösen wird…

Auch in diesem Film ist es erst Christopher, der als perfekte Besetzung die Geschichte auf den Punkt bringt und das Schicksal der Figuren geradezu verkörpert: Die hohe Stirn und der angestrengte Blick lassen einen die übermenschliche Psychokraft Johnnys direkt spüren. Der Kampf in seinem Inneren, das Wissen um die Zukunft und die Furcht, sie nicht verändern zu können, werden von Christophers Mimik und Gestik optimal umgesetzt. Trotz der paranormalen Note ist Dead Zone durch Christophers natürliches Spiel ein äußerst realistisch-humanistischer Horrorfilm, der eher auf psychologische Art den inneren Horror seiner Hauptfigur erforscht, statt mit Gummimonstern oder Kunstblutorgien den Blutdruck hochzutreiben. Wenn Stephen King der König der Psycho-Horror-Romane und David Cronenberg der König der Psycho-Horror-Filme ist, dann ist Christopher ihr natürlicher Sohn, in dessen Spiel und Körper all ihre düsteren Fantasien eingeschrieben sind. Er verkörpert all die dunklen Gestalten, die er spielte und noch spielen wird, weil er als Schauspieler durch Performanz und Physiognomie einen Spiegel unserer eigenen dunklen Fantasien darstellt. Er ist jedoch niemals Projektion… er ist Christopher. 2011-03-11 09:11

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