— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Rumble Fish

USA 1983. R,B: Francis Ford Coppola. B: S.E. Hinton. K: Stephen H. Burum. S: Barry Malkin. M: Stewart Copeland. P: Hotweather, Zoetrope. D: Matt Dillon, Mickey Rourke, Diane Lane, Dennis Hopper, Diana Scarwid, Vincent Spano, Nicolas Cage, Chris Penn, Laurence Fishburne, Tom Waits, Sofia Coppola, Tracey Walter u.a.
94 Min.

Thirty-five summers

Von Frederik König Einen Kunstfilm mit, für und über Jugendliche, das war die Kernidee von Francis Ford Coppola bei seinem Werk Rumble Fish, das Anfang der 1980er Jahre in ungewöhnlichem Schwarzweiß die Leinwand illuminierte. Rumble Fish war ein sehr persönlicher Film Coppolas, der mit einem Budget von nur knapp 10 Mio Dollar ein eher kleines Werk im Vergleich zu den vorangegangenen beiden Mega-Produktionen Apocalypse Now und One from the Heart bildete. Diesmal arbeitete Coppola völlig frei vom Diktat der Geldgeber und getragen durch sein eigenes Studio »American Zoetrope«, das er aufgrund des ausbleibenden Erfolgs bald wieder aufgeben mußte und erst später wieder zum Erfolg führen konnte, nachdem er abermals für das Geld der Studios gearbeitet hatte. Dieses Oszillieren, das Pendeln zwischen Kunst und Kommerz bestimmte schon immer Coppolas Schaffen. Sowohl die durch Studios gestärkten »großen« Filme Coppolas bilden eine ganz eigene Filmographie wie auch die kleinen selbstproduzierten Filme wie Tetro, The Outsiders oder Rumble Fish.

Mit Rumble Fish sind die chinesischen Kampffische gemeint, die der zurückgekehrte Gangführer »Motorcycle Boy« (Mickey Rourke) lethargisch in ihrem gläsernen Gefängnis beobachtet. Sie sind die einzigen farbigen Elemente im Film und bilden eine Metapher für Motorcycle Boy selbst. Als resignierter Gangführer ist er sich bewußt, daß ein gesetzloser Mensch wie er, der in der Gesetzlosigkeit letzten Endes nur seine Freiheit sucht, in einer repressiven Gesellschaft, genannt »Zivilisation«, keinen Platz hat. Sein jüngerer Bruder »Rusty James« (Matt Dillon) sieht in seinem Bruder das große Vorbild, eifert ihm nach und droht in eine Spirale der Gewalt zu geraten, vor der ihn sein Bruder zu bewahren versucht. Doch der Mythos des Bruders ist stärker als sein geläutertes Auftreten nach seiner Rückkehr. So muß Motorcycle Boy zum Schluß ein letztes Opfer darbringen, um seinem Bruder endlich die Augen zu öffnen…

Rumble Fish ist nicht nur ein Film über Jugendliche, er ist vor allem ein Film über das Erwachsenwerden. Ein Film, der darüber nachdenkt, was passiert, wenn man an den Punkt kommt, an dem man sich zwischen kindlicher Rebellion und erwachsener Anpassung entscheiden muß. Er fragt auch, ob es diese Unterscheidung überhaupt gibt und ob sie nicht letzten Endes Konstrukt und Diktat des gesellschaftlichen Kodex ist. So erscheinen im Gegensatz zu den jugendlichen Akteuren alle Erwachsenen äußerst negativ gezeichnet. Tom Waits spielt einen einsamen Barmann, Dennis Hopper, der Vater der beiden, ist ein elendiger Säufer, und William Smith spielt einen verbissenen Polizisten, der den Unrat auf der Straße, Motorcycle Boy und seinen Bruder, am liebsten radikal ausmerzen möchte. Das »Erwachsene« an den jungen Menschen in Rumble Fish findet sich in den etwas altklugen, aber tiefgehenden Mono- und Dialogen wieder, die man als Quintessenz einer philosophischen Enzyklopädie der 1980er Jahre sehen könnte: »Time is a funny thing. Time is a very peculiar item. You see when you're young, you're a kid, you got time, you got nothing but time. Throw away a couple of years, a couple of years there… it doesn't matter. You know. The older you get you say, »Jesus, how much I got? I got thirty-five summers left.« Think about it. Thirty-five summers.« 2011-03-14 10:04

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap