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Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis

Lethal Weapon. USA 1987. R: Richard Donner. B: Shane Black. K: Stephen Goldblatt. S: Stuart Baird. M: Eric Clapton, Michael Kamen. P: Silver Pictures, Warner Bros. D: Mel Gibson, Danny Glover, Gary Busey, Mitch Ryan, Tom Atkins, Darlene Love, Traci Wolfe u.a.
110 Min.

»Erschieß so viele wie du kannst«

Von Nils Bothmann Spricht man über Buddy Movies, so fällt fast ausnahmslos Lethal Weapon als Referenzfilm. Unter dem Terminus versteht man zudem mittlerweile fast nur noch Polizei- und Actionfilme, gerade da infolge von Lethal Weapon in diesem Bereich Unmengen von Nachfolgern bzw. Nachahmern entstanden. Dabei ist Lethal Weapon nicht einmal das erste Buddy Movie dieser Art, bereits fünf Jahre zuvor hatte Lethal Weapon-Produzent Joel Silver schon Walter Hills Nur 48 Stunden, den eigentlichen Pionierfilm des Subgenres, betreut. Man könnte nun argumentieren, Lethal Weapon sei der konsensfähigere, massentauglichere Film, da er mehr auf Schauwerte bedacht und weniger rüde im Ton als Hills Film ist, doch eine solche Kritik würde des Pudels Kern verfehlen: Lethal Weapon ist einfach besser als Hills schon gelungener Film, bringt das Subgenre erst zur Perfektion und hat genau daher seinen Stellenwert.

Denn das grandiose Script des Drehbuchvirtuosen Shane Black beweist, daß man einen Actionfilm eben nicht nur an der Menge explodierender Autos, großkalibriger Einschußlöcher und ausgeteilter Faustschläge messen kann. Meisterhaft jongliert das gewitzte Debütbuch mit Elementen von Tragik und Komik, spielt nuanciert auf der emotionalen Klaviatur von Zuschauern und Figuren. Denn so witzig und pointiert die legendären Wortgefechte zwischen Martin »Erschieß so viele wie du kannst« Riggs und Roger »Ich bin zu alt für den Scheiß« Murtaugh auch sein mögen, so kraftvoll und zeitlos die Actionszenen erscheinen – ohne den emotionalen Unterbau würde Lethal Weapon nur halb so gut funktionieren. Denn nach der Glanzzeit der Harte-Kerls-Schinken vom Kaliber eines Rambo II – Der Auftrag, Die rote Flut oder Phantom Kommando markiert Lethal Weapon eine Rückbesinnung auf die geschundene Polizistenseele, die eben nicht so einfach mit den Widrigkeiten des Jobs umgehen kann: Murtaugh müht sich, Cop-Dasein und Familienleben zu vereinen, Riggs stürzt sich nach dem Verlust seiner Frau mit suizidalen Tendenzen in die hochgefährliche Arbeit – und ihre Vietnamvergangenheit hat bei beiden ebenfalls Spuren hinterlassen.

Gerade im Bezug auf Vietnam liegt ein weiterer cleverer Schachzug des Drehbuchs: Während reaktionäre Reißer wie Rambo II oder Missing in Action den Vietnamkrieg nachträglich noch im Kino zu gewinnen versuchten, markieren Lethal Weapon und seine Gesinnungsgenossen ein Eingeständnis der amerikanischen Schuld und eine codierte Bearbeitung des Traumas. In Stirb langsam wird Special Agent Johnson seine »Das ist ja fast so abgefahren wie in Saigon«-Mentalität kurz nach ebenjenem Ausspruch bezahlen, in Lethal Weapon ermöglichte erst der Vietnamkrieg den Aufstieg der Fieslinge, zu Drogenhändlern gewordene Angehörige der US-Armee. Im Gegensatz zu den Russen, Asiaten und Nazis anderer Actionfilme entstammen die Bösewichte in Lethal Weapon dem Schoß der USA, nicht einmal einer kriminellen Schicht (so wie die Verbrecher in Nur 48 Stunden), sondern dem Militär – einer Institution, welche Unmengen von früheren Genrevertretern als Heilsbringer abgefeiert hatten.

Blacks erstes Script zeugt (wie seine folgenden Arbeiten) von einem gesunden Mißtrauen gegenüber Autoritäten und scheinbaren Sicherheiten, was vor allem die Spiegelung der beiden Hauptfiguren in den beiden großen Antagonisten des Films zeigt: Mitch Ryans General MacAllister ist der selten zur Waffe greifende, denkende Typ, ähnlich wie Danny Glovers Murtaugh, während mit Mel Gibsons Riggs und Gary Buseys Mr. Joshua zwei ähnlich gepolte Allzweckwaffen aufeinandertreffen. Alle vier waren in Vietnam, ebenso ein Freund Murtaughs, der mit den Drogenhändlern zusammenarbeitet – jeder der fünf hätte auch auf der anderen Seite des Gesetzes landen können, vielleicht ist alles nur eine Frage der Umstände, so erklärt Lethal Weapon zwischen den Zeilen. Nur eine der vielen Facetten des famosen Drehbuchs, die erst bei mehrmaligem Sehen auffallen, da die grandiosen Dialoge und die perfekt choreographierten Actionszenen davon abzulenken drohen – und ein Beweis dafür, daß Lethal Weapon neben Stirb langsam zurecht als größter Klassiker des Actionkinos gilt. 2011-03-09 14:25

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