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Zurück in die Zukunft

Back to the future. USA 1985. R,B: Robert Zemeckis. B: Bob Gale. K: Dean Cundey. S: Harry Keramidas, Arthur Schmidt. M: Alan Silvestri. P: Universal, Amblin. D: Michael J. Fox, Christopher Lloyd, Lea Thompson, Crispin Glover, Thomas F. Wilson, Claudia Wells, Marc McClure, Wendie Jo Sperber, Billy Zane u.a.
116 Min.

Das Meer der Möglichkeiten

Von Frederik König »Es wäre heut nicht wie es ist –
Wär es damals nicht gewesen wie es war«
(Cora E.)

Für den Drehbuchautor oder Kritiker, der mäkelt und damit indirekt auf andere erzählerische Möglichkeiten hinweist, ist ein Film immer nur die Variante des Handlungsverlaufs einer Geschichte. Auch wenn ein Film wie Zurück in die Zukunft zunächst nur seine eigene Geschichte erzählt, stehen neben den Entscheidungen der handelnden Akteure immer die vielen alternativen Handlungsmöglichkeiten, die zu ganz anderen Filmen führen könnten. Stellen wir uns also vor, daß unsere Welt – wie ein Film – nur eine Möglichkeit unter vielen ist, daß unser Uni-versum eigentlich ein Multi-versum ist, und wir die Option haben, verschiedene parallele Richtungen einzuschlagen. Das heißt: in der Zeit nach vorne und hinten zu schauen, um unsere lineare Monovision zu überwinden und uns vom Glauben an ein einziges vorgeschriebenes Schicksal zu befreien.

In Zurück in die Zukunft wird eine Überwindung dieses menschlichen Horizonts durch die technologische Hilfe einer Zeitmaschine herbeigeführt. Der junge McFly muß in der Zeit zurück reisen, um zu verhindern, daß sein bester Freund, der Erfinder »Doc«, getötet wird. Durch Zufall gerät er in die Jugendzeit seiner Eltern, wo seine Anwesenheit das Raum-Zeit-Gefüge durcheinander bringt und er alles wieder zurecht rücken muß, damit seine Zukunft und Existenz wieder hergestellt wird…

Was Zurück in die Zukunft zeigt, ist der konstruktivistische Gedanke, daß wir alle »Schmiede unseres eigenen Glücks« sind. In diesem Film gibt es keine göttliche Hand, die das filmische Schicksal ihrer Helden lenkt. Jede Aktion in der Vergangenheit hat Auswirkungen auf die Zukunft und führt zu einer rekombinierten Abfolge der Geschehnisse. Während in den meisten Filmen die Figuren wie von fremder Hand (der Autoren) gelenkt wirken, scheinen hier die Akteure McFly und Doc aktiv über ihr filmisches Schicksal zu bestimmen und es bewußt zu verändern. Die Linearität der Zeit wird in Zurück in die Zukunft aufgebrochen. Es existiert nicht nur eine Zeit, sondern es gibt unendlich viele Zeiten nebeneinander, deren Stränge sich kreuzen und immer wieder neue Möglichkeiten von Handlungsabläufen erlauben.

Zeit als Meer von Möglichkeiten zu verstehen und nicht als ein pendelndes Damoklesschwert, das ist eine Quintessenz von Zurück in die Zukunft. In diesem Sinne ist es ein Hoffnung verheißender Film. Ein Film, der durch die Abwesenheit Gottes glänzt, einem dennoch Mut macht und dazu auffordert, seine Handlungen und Schritte bewußter auszuführen und zu leben. Denn jede Entscheidung jetzt ist ein kleiner Mosaikstein für unser zukünftiges Dasein. Bei einem ersten Test mit der Zeitmaschine zu Beginn des Films fragt der erstaunte Mc Fly seinen Freund Doc nach dem Verschwinden der Zeitmaschine: »Where the hell are they?“. Und Doc verbessert ihn: »The appropriate question is, When the hell are they?« – So sollten auch wir öfters mal innehalten und uns nicht fragen, »wo« wir sind, sondern zuerst einmal »wann« wir sind. Die Zeit bestimmt den Ort, Materie und Existenz – niemals umgekehrt. Doc wußte das… 2011-03-01 13:31

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