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Im Namen des Vaters

In the Name of the Father. GB/IRL 1993. R,B: Jim Sheridan. B: Terry George. K: Peter Biziou. S: Gerry Hambling. M: Trevor Jones. P: Hell's Kitchen Films, Universal. D: Daniel Day-Lewis, Pete Postlethwaite, Emma Thompson, Mark Sheppard, Jamie Harris, John Lynch, Britta Smith, Tom Wilkinson, Tom Wilkinson u.a.
133 Min.

Im Irrsinn des Systems

Von Jesko Jockenhövel »In the name of whiskey, in the name of song, in the name of religion, in the name of freeom, in the name of United and the BBC, in the name of Georgie Best, in the name of the father, in the name of the son« singt Bono im Vorspann von Jim Sheridans emotionaler Aufarbeitung eines der größten Justizskandale der britischen Geschichte. So eingeführt kreist Im Namen des Vaters um (nord-)irische Identität, das Verhältnis zur britischen Zentralregierung und eine Vater-Sohn-Beziehung, die irgendwie auch stellvertretend für den ganzen Nordirland-Konflikt steht.

Der Film ist der erste Teil einer (Nord-)Irland-Trilogie, die Regisseur Jim Sheridan dann nach The Boxer (1997) mit In America (2003) zu dem zentralen irischen Topos führt: der Auswanderung. Auch hier beginnt alles mit einer Flucht, die eigentlich die Lösung aller Probleme sein sollte. Erzählt wird die Geschichte der »Guildfourd Four«, die für einen IRA-Anschlag auf einen Londoner Pub im Jahr 1974 unschuldig zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden und erst 15 Jahre später nach der Offenlegung, daß Geständnisse unter Folter erpreßt wurden, freikamen. Sheridan und Drehbuchautor Terry George konzentrieren sich in ihrer Darstellung der Ereignisse auf Gerry Conlon, der nach Ärger mit der IRA in Belfast nach London geht, dort aber in die Mühlen einer korrupten und nach mehreren Anschlägen unter Erfolgsdruck stehenden Justiz gerät. Besonders die erste Hälfte des Film ist eine Tour de Force, auch dank eines fulminanten Daniel Day-Lewis (aber wann wiederum ist er nicht fulminant?).

Schon in den ersten Szenen, als es zu einer Straßenschlacht zwischen der britischen Armee und Bewohnern Belfast kommt, ausgelöst durch Gerry, der für einen Heckenschützen gehalten wird, ist man mitten im Nordirland-Konflikt, der Mitte der 1970er Jahre seinen blutigen Höhepunkt erlebte. In der zweiten Hälfte von Im Namen des Vaters, die weitestgehend die Gefängniszeit von Gerry und dessen Vater umreißt, der absurderweise ebenfalls angeklagt und unschuldig verurteilt wurde, rückt immer mehr der Vater-Sohn-Konflikt in den Mittelpunkt. Mit Pete Postlethwaite und Daniel Day-Lewis begegnen sich hier zwei Schauspieler auf Augenhöhe, zumal Daniel Day-Lewis die Möglichkeit erhält, sich an der stoisch-traurigen Art von Postlethwaite abzuarbeiten.

Der Nordirland-Konflikt wurde filmisch mittlerweile nicht nur von Jim Sheridan und seinem Co-Autor Terry George aufgearbeitet, aber Im Namen des Vater bleibt der bewegendste. Acht Jahre vor dem 11. September 2001 gedreht ist er zudem eine Mahnung, auch in Zeiten terroristischer Gefahr Errungenschaften des Rechtstaates nicht im Namen der Sicherheit über Bord zu werfen. Hat man sich nach Ende des Films dann wieder berappelt und die emotionale Schockstarre überwunden, kann man sich auf den Weg machen und die anderen beiden Filme von Sheridans Irland-Trilogie aus der Videothek holen. Die sind mindestens genauso gut und bewegend, denn auf der emotionalen Klaviatur zu spielen, ohne kitschig zu sein, das kann der interessanteste und bekannteste irische Regisseur neben Neil Jordan allemal. 2011-02-18 16:20

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