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Stand by me

USA 1986. R: Rob Reiner. B: Raynold Gideon, Bruce A. Evans. K: Thomas Del Ruth. S: Robert Leighton. M: Jack Nitzsche. P: Act III Productions, Columbia Pictures, The Body. D: Wil Wheaton, River Phoenix, Corey Feldman, Jerry O'Connell, Kiefer Sutherland, Casey Siemaszko, Gary Riley, Richard Dreyfuss, John Cusack u.a.
89 Min.

Wiedersehen mit alten Freunden

Von Dominik Bühler »I never had any friends later on like the ones I had when I was twelve.« Ein Autor erinnert sich an den Sommer des Jahres 1959. Damals erfahren er, Gordie Lachance und seine Freunde Chris Chambers, Teddy Duchamp und Vern Tessio, daß die Leiche eines vermißten Jungen aus der Nachbarschaft an einem Bahndamm liegen soll – ein paar dutzend Meilen von ihrem Heimatort entfernt. Um die Leiche zu finden und sich dann als Helden feiern zu lassen, machen sie sich auf den Weg. Das Abenteuer, das sie erleben, läßt noch einmal die kindliche Unbeschwertheit aufleuchten, die im Alltag der Jungen schon zu einem großen Teil abhanden gekommen ist. Furiose Albernheiten, wie die Geschichte vom großen »Kotzerama« treffen auf Verletzungen durch die fehlende Anerkennung durch Erwachsene oder die tiefe Trauer ob des Todes eines Angehörigen. Der melancholische Blick zurück auf die Romantik der Jungs-Freundschaft, zu einem Zeitpunkt, an dem Mädchen noch keine große Rolle spielen, wird äußerst atmosphärisch ausgeschmückt. Popsongs scheppern aus einem kleinen tragbaren Radio und die Unschuld der Natur flimmert in der Sommersonne. Der Film zeigt die Jungen auf der Schwelle von der Sorglosigkeit der Jugend zum Ernst des Erwachsenseins. Sie wissen nicht, was sie erwartet. Die Suche nach der Leiche dient dabei als Bild für eine ungewisse Zukunft. Die Bahngleise weisen den Weg, bergen aber zugleich Gefahr.

Stand By Me basiert auf der Erzählung »The Body« von Stephen King. Sie ist deutlich autobiographisch gefärbt und setzt nicht wie die meisten der Geschichten Kings auf Horror oder Übernatürliches. Für den Film reduzierten die Drehbuchautoren die Geschichte, strichen Erinnerungen an spätere Phasen des Lebens von Gordie Lachance und schufen so eine konzentriertere und kinderfreundlichere Geschichte. Rob Reiner, der die Adaption 1986 verfilmte, führte die Jungdarsteller mit seiner routinierten Regie zu Glanzleistungen. So ist unter anderem ein frühes Aufscheinen des tragischen River Phoenix als Chris Chambers zu bestaunen. Der liebevolle Umgang mit den Figuren, die mit ihren Macken zwar teilweise etwas karikiert gezeichnet sind, bietet einen sensiblen Zugang zur Problematik der Adoleszenz. Die Inszenierung ist angenehm unspektakulär und überzeugt mit einer Dramaturgie, die gekonnt zwischen schreiender Komik und tragischem Ernst balanciert. Es ist ein sentimentaler, aber kein wehmütiger Blick auf die Jugend, der es schafft, nicht in Kitsch oder gefühlsduseliges Pathos abzudriften.

Wie die Freunde, die man hatte, als man zwölf war, so einzigartig sind auch die Filme, mit denen man damals die Zeit verbrachte. Sentimental schaut man zurück und erinnert sich an die Stimmungen von damals und an einzelne Szenen, die sich festgebrannt haben und zu eigenen Erinnerungen wurden. Wie bei Jugendfreunden, die man lange nicht getroffen hat, kann auch das Wiedersehen der Filme von früher enttäuschend sein. Vielleicht hat man das Damalige verklärt, die Fehler seinerzeit nicht erkannt oder sich einfach voneinander entfernt. Umso schöner ist es, wenn die Ernüchterung ausbleibt und man wie bei Stand By Me einen Film sieht, der mit der Zeit nicht an Qualität verloren hat und zudem zur Reflexion der Erinnerung anregt. 2011-01-30 17:17

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