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Zwei glorreiche Halunken

The Good the Bad and the Ugly. USA 1966. R,B: Sergio Leone. B: Agenore Incrocci, Furio Scarpelli, Luciano Vincenzoni. K: Tonino Delli Colli. S: Eugenio Alabiso, Nino Baragli. M: Ennio Morricone. P: Constantin Film, Produzioni Europee Associati u.a. D: Eli Wallach, Clint Eastwood, Lee Van Cleef, Luigi Pistilli, Rada Rassimov, Antonio Casale u.a.
161 Min.

Eigentlich sind es ja drei…

Von Sven Lohmann »Wer bei John Ford aus dem Fenster guckt, blickt in eine herrliche Zukunft – wer bei mir aus dem Fenster guckt, wird erschossen«, so beschreibt Sergio Leone lapidar seinen Westernbegriff. Nach seinem Debüt Der Koloss von Rhodos drehte er 1964 Für eine Handvoll Dollar und läutete damit die Ära des Italowestern ein; Für ein paar Dollar mehr sowie Zwei glorreiche Halunken folgten als Fortsetzungen. Die große Zeit des traditionellen US-Westerns war damals schon vorbei, also die Epoche der Hollywood-Produktionen mit aufrechtem, edlem Helden wie Zwölf Uhr Mittags, Rio Bravo oder Der schwarze Falke. An deren Stelle trat die vor allem in Europa erfolgreiche Welle der ruppigen, unrasierten und unkonventionelleren Italowestern, die dann auch wiederum den späten US-Western beeinflußten. Zwei glorreiche Halunken zählt unter den Italowestern, neben Django und Spiel mir das Lied vom Tod, zu den absoluten Höhepunkten.

Der blonde Joe (Clint Eastwood) – man kennt ihn noch als Pistolero von Gottes Gnaden aus den vorigen Dollar-Filmen – sucht hier, in den 1860er Jahren und also zur Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs, nach einer sagenumwobenen verlorenen Regimentskasse. Ebenso wie er sind auch der mexikanische Galgenvogel Tuco (Eli Wallach) und der Killer Sentenza (Lee van Clef) hinter ihr her. Diese drei Antihelden sind, wie der sinnfälligere Originaltitel sie ja auch ankündigt, »Il buono, il brutto, il cattivo«: Der Gute, der Häßliche und der Böse; drei Einzelgänger, die sich je den Schatz unter den Nagel reißen wollen – und gelegentlich miteinander paktieren müssen. Orson Welles hatte Leone davon abgeraten, Zwei glorreiche Halunken zu drehen, weil erfahrungsgemäß Filme über den Sezessionskrieg an der Kasse abzustürzen pflegen. Leone aber schlug den Rat in den Wind – und sein Projekt, mit über einer Million Dollar Produktionskosten, für damalige Verhältnisse gar nicht mal günstig, wurde prompt zu einem durchschlagenden Erfolg. Bis heute ist er so beliebt wie wohl kein anderer Western, der vielleicht populärste Verehrer: Quentin Tarantino.

Dazu tragen sicherlich die überragenden Leistungen von Clint Eastwood und Eli Wallach bei; deren extrem ambivalentes Verhältnis zueinander verschuldet womöglich den deutschen Titel, weil die beiden Lee van Clef regelrecht die Show stehlen. Während die Schauspieler in zeitgenössischen Kritiken eher bemängelt wurden, standen aber auch schon damals die filmhandwerklichen Qualitäten außer Frage. Leone nimmt sich hier für die fintenreiche Geschichte die notwendige Zeit (der Film dauert denn auch knapp drei mitreißende Stunden), kostet jede Situation genüßlich aus – und etabliert in kaum je wieder erreichter Perfektion die typischen Stilelemente des Italowesterns, die inzwischen zum Inbegriff des Westernklischees überhaupt geworden sind. Die hervorragende Kamera kontrastiert riesig kadrierte Landschaftstotalen mit Detailaufnahmen, untermalt mit der großartigen charakteristischen Filmmusik von Ennio Morricone; das Pistolenduell wird hier zum motivischen Mittelpunkt und im Zusammenhang damit ist hier der Punkt erreicht, an dem die Westernfilme weniger zimperlich wurden. Wegen der seinerzeit ungewöhnlich realistischen Gewaltdarstellung lief Zwei glorreiche Halunken in Deutschland eine zeitlang nur in einer schändlich gekürzten Fassung.

Davon bleibt man heutzutage gottlob in der Regel verschont und darf den Film in seiner vollen Herrlichkeit ansehen: ein meisterlich inszeniertes Abenteuer mit so grandiosen Aussprüchen wie: »Der Blitz soll dich beim scheißen treffen!«; dreckig, staubig, schwarz, lakonisch, hinterfotzig, aberwitzig und vorzüglich unterhaltsam. Selbst dem nachfolgenden Leone gegenüber – dem großen, aber auch weit gravitätischeren Klassiker Spiel mir das Lied vom Tod – hat Zwei glorreiche Halunken eine bestechende Ungezwungenheit und Nonchalance voraus. 2010-07-30 17:27

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