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Easy Rider

USA 1969. R,B: Dennis Hopper. B: Peter Fonda, Terry Southern. K: László Kovács. S: Donn Cambern. P: Columbia Pictures Corporation, Pando Company Inc., Raybert Productions. D: Peter Fonda, Dennis Hopper, Antonio Mendoza, Phil Spector, Mac Mashourian, Warren Finnerty, Tita Colorado, Luke Askew u.a.
95 Min.

High sein, frei sein, Sonne muß dabei sein

Von Sven Lohmann Ursprünglich bezeichnet der Ausdruck »Easy Rider« ja einen lockeren Vogel, der gewohnheitsmäßig leichte Damen prellt, und hat mit Motorrädern eigentlich überhaupt gar nichts zu tun. Seit etwa 40 Jahren spielt das aber keine Rolle mehr; seit Dennis Hoppers' Regiedebüt ist der Begriff geradezu untrennbar mit Harleys, Rockmusik und dem trügerischen Traum von Freiheit verquickt. Easy Rider war für schmale 400.000 Dollar unabhängig produziert und erst als fertiges Produkt vom Verleih aufgekauft worden; dennoch ging er 1969 als US-amerikanischer Beitrag zu den Filmfestspielen von Cannes, war für zwei Oscars nominiert und verdrängte im Kino gar James Bond von Platz 1: Der Erfolg war, kurzum, erstaunlich. Sozusagen ad hoc wurde er zu einem Kultfilm, der Identifikation bot oder provozierte.

1967 drehte der Kult-Trashfilmer Roger Corman den Film Der Trip, bei dem Peter Fonda und Dennis Hopper sich kennenlernten. Für Corman hatte Fonda schon 1966 in Die wilden Engel auf einem Chopper gesessen, und weil Motorräder im Kino gerade gut gingen, beschlossen die beiden, im Stil der damals noch ganz jungen New-Hollywood-Strömung ein gesellschaftskritisches Roadmovie zu drehen. Zwei junge Männer, Hopper und Fonda als Billy und Wyatt, machen sich mit ihren umgebauten Harleys auf, um die USA zu durchqueren und quasi eine Bestandsaufnahme des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten zu proben – als Antihelden allerdings von Westen nach Osten, und nicht andersherum wie die Pioniere. Ihre Reise führt die beiden Abenteuerlustigen durch ein überirdisch schön fotographiertes Land, zunächst durch alternative Lebensstile: Sie besuchen eine autark lebende Bauernfamilie und eine Hippiekommune. Schließlich aber schlägt die Reise ins Herz der Freiheit um: Die beiden unkonventionellen Lebenskünstler ecken bei der konservativen Landbevölkerung zunehmend böse an und müssen feststellen, daß von Freiheit einerseits feierlich zu reden und sie andererseits dann auch nutzen zu wollen eben zweierlei ist.

Seinen kritischen Querschnitt erzählt Hopper zwanglos und stellenweise fast dokumentarisch, hinwieder benutzt er experimentelle, psychedelische Schnittechniken, um subjektives Erleben zu vermitteln – der einzige mit Easy Rider direkt vergleichbare Film, der diesen Vergleich auch aushält, ist wohl Antonionis Zabriskie Point. Für den Soundtrack griff Easy Rider dabei als einer der ersten Filme auf zeitgenössische Rockmusik zurück, darunter so große Stücke wie »The Pusher« von Steppenwolf, »Kyrie Eleison« von den Electric Prunes oder Roger McGuinns Bob-Dylan-Cover »It's Alright Ma«. Als New-Hollywood-Pionier besetzte Hopper, in der Tradition des Neorealismus, die Nebenfiguren durchgehend mit Laiendarstellern. Jack Nicholson allerdings, ebenfalls in den Filmen Cormans groß geworden, hat hier seinen ersten bedeutenden – und wahrhaft begnadeten – Auftritt: als versoffener Junganwalt.

Easy Rider traf seinerzeit den Nerv der Zeit mit den Tönen, die er anschlug: Die harsche Kritik am klassischen »American Way Of Life«, der nur vorgeblich abweichlerischen Lebensentwürfen gegenüber tolerant ist; die Ästhetik, die sich die Jugend- und Drogenkultur der späten 1960er Jahre zum Vorbild nimmt (die Joints im Film sollen angeblich sämtlich echt sein, was man auch glaubt, wenn man Hopper sieht) und einen zünftigen und avantgardistisch inszenierten LSD-Trip umfaßt – besser als der bei Corman übrigens. Als Film mit viel Zeitkolorit aber hat Easy Rider von seinem Reiz nichts verloren – im Gegenteil: die Filme sind nicht dick gesät, die so eindringlich und bewußt die Befindlichkeit, das Lebensgefühl ihrer Epoche vermitteln. 2010-07-19 11:49

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