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Die Todesgöttin des Liebescamps

D 1981. R,B,M: Christian Anders. R: Ilias Mylonakos. K: Vassilis Christomoglou. S: Renate Engelmann. P: Atlas Film. D: Laura Gemser, Christian Anders, Simone Brahmann, Gabriele Tinti, Sascha Borysenko, Bob Burrows, Veronika Schecker, Maximilian Wolters u.a.
76 Min.
© ARD/Degeto

Wiederauferstehung mit Goldsäbel

Von Carsten Tritt Als seinen eigentlichen Einstieg in die Filmbranche sah Christian Anders den Film Warum läuft Herr R. Amok, der zwar formal unter der Regie und nach einem Drehbuch von Michael Fengler und Rainer-Werner Fassbinder entstand, aber immerhin war auf der Tonspur »Geh' nicht vorbei« zu hören, und so, daß können wir auf Christian Anders' Homepage nachlesen, war der Film ja auch nicht viel mehr als eine etwas umgeschriebene Version des von Anders gesungenen Schlagers.

Das Feld des Neuen Deutschen Films erwies sich allerdings für Anders als zu begrenzt, und so sammelte er seine ersten Erfahrungen als Schauspieler doch lieber in den Produktionen der österreichischen Lisa-Filme wie Das haut den stärksten Zwilling um und Wenn die tollen Tanten kommen, im letzteren immerhin an der Seite von Rudi Carrell und Ilja Richter. 1979 war es dann endlich soweit für Christian Anders' Regiedebüt Die Brut des Bösen, ein erschütterndes Werk um den Kampf des Hauptdarstellers (Christian Anders) gegen einen drogenhandelnden Karate-Zwerg. Obwohl auch Die Brut des Bösen später zu einem Klassiker für biertrunkene Videoabende geworden ist, war die seinerzeitige Resonanz bei Kritik und Publikum eher reserviert. Dies konnte selbstverständlich Christian Anders, und überraschenderweise auch die Atlas-Filmproduktion, nicht davon abhalten, noch einen weiteren Film in Angriff zu nehmen, und so entstand Christian Anders' Meisterwerk: Die Todesgöttin des Liebescamps, Produktion, Regie, Drehbuch, Musik und Hauptrolle Christian Anders, diesmal als der blonde Sangesbarde Dorian, ein erfolgreicher Werber junger Mädels für die Liebessekte der »Göttlichen« (wie immer lecker was fürs Auge: Laura Gemser), der schließlich in einen tragischen Konflikt zwischen seiner Liebe zu einer Millionärstochter und seiner Treue zur Göttin gerät.

»Sie suchten Liebe – und fanden den Tod« lautete der Werbeslogan des Kinoverleihs in völlig unangemessener Bescheidenheit, zumal etwas Besseres als der Tod überall in diesem Werk zu finden ist. Neben Ziegenopfer und letztem Abendmahl gibt es Glückserzeugung durch Nackttanzen, Unglückserzeugung durch Auspeitschen (natürlich auch nackt) und die unglaublichste und vermutlich auch kürzeste Entjungferungsszene der Filmgeschichte. Vor lauter Obskurität ist dabei offensichtlich, daß sich Christian Anders bei allem irgend etwas gedacht haben muß, doch gleichzeitig ist man als Zuschauer stets dankbar, nicht zu verstehen, was das war. Und irgendwie ist es ja auch als innovative Möglichkeit der Füllung von Storylöchern anzuerkennen, wenn am Ende ein großer böser Bodybuilder in ein solches einfach reingeschubst wird.

In den deutschen Kinos war Die Todesgöttin des Liebescamps (wenn auch nur sehr, sehr kurz) in der vom Regisseur intendierten 76minütigen Fassung zu sehen, für das Ausland hingegen wollte wohl Atlas-Film retten, was zu retten war, reicherte den Film folgerichtig mit zahlreichen weiteren Sexszenen an, und schnitt dafür aber einige der schönsten Szenen um bzw. ganz heraus. Handwerklich von besonderem Geschick war hierbei der umgeschnittene Showdown der Exportfassung, aus denen alle Einstellungen und Einstellungsteile, in denen die Protagonisten mit einem erstaunlichen Krummsäbel hantieren, entfernt wurden (wer die Originalfassung kennt, kann sich geradezu vorstellen, wie Christian Anders seinen Ausstatter anwies: »Bringe er mir den größten, mächtigsten und vor allem güldensten Säbel, der auf dem Flohmarkt von Thessaloniki für 20 Mark zu erwerben ist!«).

Leider war Die Todesgöttin des Liebescamps Christian Anders' bis dato letzte Regiearbeit, der sich nach diesem Höhepunkt seines Schaffens wieder etwas zurücknahm und seither die Welt über die Verantwortlichkeit von Richard Nixon für AIDS aufklärt, Lieder über den 11. September 2001 bei Youtube einstellt und über seine Homepage www.christiananders.de für nur unglaublich günstige 15,- € seinen Vortrag Pädophilie – Das Ende der Religionen auf DVD vertreibt.

Die Todesgöttin des Liebescamps feiert hingegen dank arte in der Nacht vom 9. auf den 10. Juli ihre Fernseherstausstrahlung, und dies, wie jedenfalls die Laufzeitangabe andeutet, sogar in der guten deutschen Kinofassung mit dem Goldsäbel. 2010-07-06 11:11

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