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Tricks

Matchstick Men. USA 2003. R: Ridley Scott. B: Nicholas Griffin, Ted Griffin. K: John Mathieson. S: Dody Dorn. M: Hans Zimmer. P: Warner Bros. Pictures, ImageMovers, Scott Free Production u.a. D: Nicolas Cage, Sam Rockwell, Alison Lohman, Bruce Altman, Bruce McGill, Jenny O'Hara, Steve Eastin, Beth Grant u.a.
116 Min.

Eins, zwei, drei

Von Susan Noll Alles ist gleißend und verschwimmt im hellen Gold des Sonnenlichts. Draußen nur Widerschein, kein klarer Blick auf die schnell dahin gebauten Gebäude der amerikanischen Kleinstadt, in welcher Roy lebt. Es ist sein Blick, den wir hier präsentiert bekommen und der uns ziemlich schnell zeigt, daß am Verhalten dieses Mannes etwas nicht stimmen kann. Beobachtet man ihn bei seinen unaufdringlich inszenierten Handlungen in mehrfacher Ausführung – ein-, zwei-, dreimal macht er die Zimmertür und den Küchenschrank auf und zu, seine Putzmittel sind akribisch sortiert und in einer feinen Ordnung verstaut – sieht man plötzlich klar: Roy hat Zwangsneurosen, umgangssprachlich Ticks genannt und mit dem Hang zum Verrücktsein konnotiert. Vielleicht ist Roy ein bißchen verrückt, aber mehr noch als das ist er gerissen. Sein Geld verdient er mit Betrügereien, eher kleinkriminelle Aktionen, doch nun winkt ein großer Coup. Allerdings passiert Roy vorher ein Malheur, das Folgen nach sich zieht.

Weil seine Tabletten im Abfluß landen, der Hausarzt nicht zu erreichen und der Kollaps nah ist, geht Roy zu einem Psychologen, den man ihm empfohlen hat, in der Hoffnung, dort das ersehnte und dringend benötigte Beruhigungsmittel zu erhalten. Aber der Mediziner denkt gar nicht daran, fragt vielmehr Roy nach seinen Problemen und möchte erfahren, woher die Ticks rühren. Und offenbart eine Wunde in der Vergangenheit: Roy hat eine Tochter, die ihm vorenthalten wurde. Dafür steht sie nun eines Tages bei ihm vor der Tür. Dahin ist die geliebte Ruhe, die gepflegte Ordnung und überhaupt auch das kriminelle Betrügertum, denn mit Angela, der kessen 14jährigen, hat Roy plötzlich Verpflichtungen, die sich schlecht mit seinem Beruf und überhaupt seinem Lebensstil vereinbaren lassen. Doch Angela zeigt Talent für Taschendiebstahl und allerlei andere langfingrige Aktivitäten und so kommt Roy eine Idee. Doch die läuft schließlich anders als gedacht.

Das ist gleichzeitig ein Prinzip des Films von Ridley Scott, der mit Tricks einen feinen Film vorgelegt hat, aber nicht im Rahmen eines großen Blockbusters, sondern als kleine tragikomische Geschichte um Gut und Böse. Und die schlägt ziemlich viele Haken, wird nicht müde, ihre Zuschauer zu täuschen und dadurch bei Laune zu halten. Das gelingt einerseits durch eine filmische Form, die besonders den Lichteinsatz und die Kamerabewegung einmal in den Dienst von Roys subjektiver Wahrnehmung stellt und dann wieder in realistischer Manier der Erzählung folgt. Aber auch diese hat es in sich, sie ist unterhaltsam und doch nicht leicht zu durchschauen, voll Witz und Tragik. Die Auflösung schließlich läßt einen verblüfft und erstaunt zurück in der Gewißheit, daß man einer gelungenen filmischen Betrügerei aufgesessen ist. 2010-05-14 13:46

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