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Mein großer Freund Shane

Shane. USA 1953. R: George Stevens. B: A.B. Guthrie Jr. K: Loyal Griggs. S: William Hornbeck, Tom McAdoo. M: Victor Young. D: Alan Ladd, Jean Arthur, Van Heflin, Brandon De Wilde, Jack Palance, Ben Johnson, Edgar Buchanan, Emile Meyer u.a.
118 Min.

Come Back, Shane!

Von Martin Holtz Obwohl Shane regelmäßig zu den großen Westernklassikern gezählt wird, wird er vom heutigen Publikum eigentlich kaum noch wahrgenommen. Verglichen mit dem aktuellen Blockbusterkino wirkt er reichlich angestaubt: zu gemächlich, zu klischeehaft, zu pathetisch. Dabei liegt gerade in diesen Eigenschaften der Reiz des Films.

André Bazin hat Shane als »Superwestern« bezeichnet, weil der Film sich die eigene mythische Überhöhung zum Thema nimmt. Tatsächlich besticht George Stevens Regie durch perfekt komponierte Bilder und präzise Schnittfolgen, durch die sowohl die majestätischen Landschaften als auch die Posen, Gesten, Blicke und Dialogzeilen der Charaktere stilisiert erscheinen. Die Perspektive des jungen Joey, aus der wir der Handlung folgen, gibt dieser Stilisierung eine selbstreflexive Legitimation. Natürlich ist der Heilsbringer, der aus der Wildnis kommt, um die friedliche Farmergemeinde vor den bösen Ranchern zu beschützen und nach getaner Arbeit wieder davonreitet, eine Fantasiefigur. Er erfüllt als fiktionales Konstrukt die Funktion als identitätsstiftender Nationalmythos, indem er durch sein Handeln und Auftreten bestimmte Werte und Ideale vermittelt. Joey steht dabei sowohl für den Zuschauer, der mit kindlich-eskapistischer Faszination so einer autoritären Heldenfigur auf der Leinwand folgt, wie für die amerikanische Nation, die sich solche Männer der Tat gerne herbei träumt.

Doch der Film ist sich auch im klaren darüber, daß die Werte und Ideale, für die Shane steht, durchaus zwiespältig sind. Sein Motto »A gun is as good or as bad as the man using it« wird nicht nur von der Farmersfrau abgelehnt, die Gemeinsamkeiten von Held Shane und dem von einem fies grinsenden Jack Palance gespielten Oberschurken Jack Wilson – beide gleichermaßen kaltblütige Killer – sind einfach unübersehbar. Doch anders als Wilson erkennt Shane selbst, daß die Zeit der Revolverhelden vorbei ist, wenn er am Ende trotz Joeys flehenden Rufen »Come back, Shane« in die Wildnis reitet.

Bei aller Stilisierung und mythischer Verklärung ist Shane aber auch an Realismus gelegen. In einer Zeit, als die meisten Pistolenduelle auf der Leinwand damit endeten, daß der erschossene Gegner den Revolver fallen ließ, sich an die Brust faßte und dann mit zusammengekniffenen Augen auf die Knie sank, war die Gewalt in Shane zum ersten Mal buchstäblich dreckig. Die Szene, in der Jack Palance den wehrlosen Elisha Cook Jr. nur so zum Spaß abknallt, und dieser von der Wucht der Kugel gleich mehrere Meter weit in den Schlamm katapultiert wird, ist beispielhaft und hat auch die späteren Todestänze eines Sam Peckinpah beeinflusst. Doch auch die Liebe zum Detail in der Gestaltung der Frontiergemeinde erzeugt Realismus: die trostlosen Häuser, die matschige Hauptstraße, die illustrierten Kataloge im kargen Warenladen, und schließlich die psychologische Komplexität der feindseligen Rancher, die auch nur ums Überleben kämpfen, in einer Welt, in der der Fortschritt ihre Existenz gefährdet. Aus all diesen Gründen lohnt es sich, immer mal wieder einzuschalten, wenn Shane über den Bildschirm reitet. 2010-03-31 16:40

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