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Predator

USA 1987. R: John McTiernan. B: Jim Thomas, John Thomas. K: Donald McAlpine. S: Mark Helfrich, John F. Link. M: Alan Silvestri. P: Amercent Films, American Entertainment Partners L.P., Davis Entertainment, Lawrence Gordon Productions, Silver Pictures, Twentieth Century-Fox. D: Arnold Schwarzenegger, Carl Weathers, Elpidia Carrillo, Bill Duke, Jesse Ventura, Sonny Landham, Richard Chaves, R.G. Armstrong u.a.
107 Min.

Ballern um des Ballerns Willen

Von Martin Holtz Predator ist so etwas wie das Destillat des 80er Jahre Macho-Action-Kinos. Wenn in der Vorspannsequenz die Elitesoldatentruppe per Helikopter in die Dschungelkaserne eingeflogen wird, hat man den Eindruck, daß Schwarzenegger ein paar seiner Bodybuilding-Kumpels auf einen Südamerikaurlaub inklusive Kriegsspielplatz eingeladen hat. Nebenbei läßt jemand die Kamera laufen, später wird ein Alien hineineditiert, und fertig ist der Film.

Wenn man will, kann man aber auch versuchen, den kulturtheoretisch relevanten Implikationen des Films nachzuspüren. Innerhalb des Actiongenres führt Predator die Tradition von Filmen wie Das dreckige Dutzend und The Wild Bunch fort. In den Spätsechzigern machten diese Filme ein gut eingespieltes Team von Kriminellen, das in einer kaum noch existenten Gesellschaft von den Mächtigen als Gewaltmittel ausgenutzt wird, zu trotzigen Antihelden, praktisch als zynischer Triumph der corporate identity. Auch in Predator erledigt der Soldatentrupp mit beeindruckender Effektivität die Drecksarbeit für ein korruptes System, das sich weniger um Menschen als um Ideologien schert. Aber anders als in den pessimistischen Vorgängerfilmen gibt es hier eine der Reaganschen Gesinnung angepaßte Wendung. Genau wie Missing in Action, Rambo 2 und artverwandte Filmen zelebriert Predator den retroaktiven Sieg in Vietnam. Immerhin macht sich der Film die Mühe, eine doch recht ansprechende metaphorische Komponente hinzuzufügen. Das Alien im Tarnmodus ist der unsichtbare Feind im Dschungel, der die technisch überlegenen Amerikaner dezimiert. Das überlebende Individuum aber übernimmt die Charakteristika des Feindes und triumphiert dann im zweiten Anlauf als archaischer Guerillakrieger mit Köpfchen. Die Schmach der Niederlage wird damit ausgemerzt.

Was auch immer man für politische Botschaften in den Film lesen möchte, sein eigentlicher Reiz liegt, seien wir mal ehrlich, in der handwerklichen Umsetzung. John McTiernans Talent, waffenstarrende Baller-Action mit einem gekonnten Spannungsaufbau zu verbinden, ist hier, ein Jahr vor Stirb langsam, schon in seiner ganzen Brillanz zu bewundern. Der Plot konzentriert sich erfreulicherweise aufs Wesentliche. Nach fünf Minuten Exposition sind wir im Dschungel, und hier schafft McTiernan durch den effektiven Einsatz von Kamerafahrten, Zooms, langsamen Fokusverschiebungen und der Wärmekamera-POV des Predators eine durchgehend bedrohliche Atmosphäre im klaustrophobischen Dschungelterrain. Die fulminanten Actionszenen sind großartig montiert, rhythmisch durchkomponiert mit einer Balance aus extravaganten Einstellungen, dynamischer Kamera, Muskelgepose und Explosionsspektakel. Ebenfalls hervorzuheben sind die Musik von Alan Silvestri, mit knackigen Percussions und Blechbläsern einerseits und unheilvoll tönenden Geigen andererseits, und das Sounddesign, das orgiastisches Helikopter- und MG-Gewummer ebenso wie unheilschwangeres Grillengezirpe zu bieten hat.

Und dann ist da natürlich noch der Schwarzenegger-Faktor. Was auch immer man von dem Gouvernator halten mag, seine Filme haben, verglichen mit denen anderer amerikanischer Muskelprotze wie Sylvester Stallone oder Chuck Norris, immer den nötigen Exzess, der für eine ironische Brechung sorgt. Und Predator ist, mit Ausnahme von Phantom-Kommando vielleicht, der übertriebenste Testosteronkracher der Ära. Wenn Amtskollege Jesse Ventura mit Kautabak im Mund, Cowboyhut auf dem Kopf und Gatling Gun unterm Arm eine Horde Kommunisten über den Haufen schießt, dazu Sprüche fallen wie »I ain’t got time to bleed«, »Stick around«, und der allseits beliebte »You’re one ugly motherfucker«, dann hat das etwas Karikatureskes, das die Absurdität des Genres ausstellt.

Diese Absurdität kulminiert in der Szene, als Schwarzenegger und seine Mannen ein gutes Stück Regenwald zu Mus ballern im Glauben, den Predator erwischt zu haben. Eine gefühlte Minute lang wird starr aus allen Rohren gefeuert, daß die Wände wackeln, mit dem Resultat rein gar nichts getroffen zu haben außer ein paar unschuldigen Bäumen. Selbst lupenreine Antikriegsfilme haben nicht so anschaulich illustrieren können, wie sinnlos selbstzweckhaft so eine famose Ballerei sein kann. 2010-01-13 15:04

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