— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Ran

F/J 1985. R,B,S: Akira Kurosawa. B: Hideo Oguni, Masato Ide. K: Asakazu Nakai, Takao Saitô, Shôji Ueda. M: Tôru Takemitsu P: Greenwich Film Productions, Herald Ace, Nippon Herald Films. D: Tatsuya Nakadai, Akira Terao, Jinpachi Nezu, Daisuke Ryû, Mieko Harada, Yoshiko Miyazaki, Hisashi Igawa, Masayuki Yui u.a.
162 Min.

Aristokratische Altlasten

Von Sven Lohmann Im 16. Jahrhundert war Japan ein Hexenkessel: In der sogenannten Zeit der streitenden Reiche rangen nach dem Niedergang des Shogunats Kriegsherren untereinander um die Herrschaft. Für den in Japan äußerst populären historischen Film ist das eine Zeit dankbarer und blutiger Stoffe, die der Samurai-Ära in kaum etwas nachsteht. Akira Kurosawa hatte schon in den fünfziger Jahren mit Das Lustwäldchen und Die sieben Samurai den japanischen Historienfilm im Westen bekannt gemacht. Mit Ran fand er einen Stoff für ein wahrhaft episches Alterswerk und drehte – wenn auch 12 Millionen Dollar heute keine Unsumme mehr sind – den bis dahin teuersten japanischen Film.

Die Handlung von Ran basiert lose auf der Tragödie »König Lear« von Shakespeare: Der alte Großfürst Hidetora teilt sein Reich unter seinen Söhnen auf und muß erleben, wie die es nolens volens ins Chaos stürzen – aus dem geruhsamen Lebensabend wird nichts. Hidetora war in seinen besten Jahren selbst ein grausamer und unmenschlicher Kriegsherr gewesen, nun irrt er als heimatloser Wanderer durch sein eigenes Reich, von seinen Kindern verstoßen und nur den Hofnarren an seiner Seite. Auf seine alten Tage wird er – gewissermaßen mit dem Publikum zusammen, für das er leidet – zum Zuschauer des Zusammenbruchs seiner Dynastie: Seine Vergangenheit holt ihn ein, er bekommt die Rechnung für sein Leben vorgelegt. Die Geschichte wird ins Rollen gebracht durch den Fingerstups von Hidetoras Amtsübergabe – und kraft Intrigen, Rache- und Machtgelüsten in seiner eigenen Familie schnurrt sie dann gemächlich, aber mit erbarmungsloser Konsequenz auf die Katastrophe zu.

Und die ist nicht von schlechten Eltern, auch wenn Hidetora ihr nur haareraufend zusehen kann. Mit eineinhalbtausend Statisten inszenierte Kurosawa Schlachtengemälde von apokalyptischen Ausmaßen, lobenswerterweise durchgehend in weit kadrierten Einstellungen, damit es auch ordentlich was zu sehen gibt; gedreht wurde all das nicht im Studio, sondern an Originalschauplätzen. In finanzieller Hinsicht half die ungeheuer aufwendige und gekonnte Inszenierung leider wenig; Ran spielte nur mit Müh und Not die Produktionskosten wieder ein. Dabei ist Kurosawas letzter großer Film ein unbedingt sehenswerter Gewaltakt: eine zeitlose Geschichte über Macht und Ohnmacht, detailliert erzählt, auf der visuellen Seite in prächtige Farben getaucht und verschwenderisch ausgestattet – die Kostüme wurden mit dem Oscar prämiert.

Als Kurosawa übrigens mit den Dreharbeiten zu Ran begann, war er schon fast erblindet, konnte nur mit Hilfe von Assistenten arbeiten. Die ihrerseits hatten eine gute Richtschnur: Kurosawa, der das Buch zu Ran schon in den 1970er Jahren verfaßt hatte, hatte für das komplette Projekt ausführlichste Storyboards gemalt. 2009-12-02 17:36

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap