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Der Terminator

The Terminator. USA 1984. R,B: James Cameron. B: Gale Anne Hurd. K: Adam Greenberg. S: Mark Goldblatt. M: Brad Fiedel. P: Hemdale Film. D: Arnold Schwarzenegger, Michael Biehn, Linda Hamilton, Paul Winfield, Lance Henriksen, Bess Motta, Earl Boen, Rick Rossovich u.a.
108 Min.

Bißchen B schadet nie

Von Sven Lohmann James Cameron ist eigentlich nicht dafür bekannt, kleine Brötchen zu backen oder sich Zwang anzutun, was das Budget angeht. 1991 war Terminator 2 mit 100 Millionen Dollar Kosten der offiziell bis dahin teuerste Film aller Zeiten, mit dem doppelt so teuren Titanic holte er sich 1997 den Rang zurück, den ihm die unrühmliche Gurke Waterworld inzwischen abgelaufen hatte. Der Terminator war dagegen erstaunlich günstig: Nur knapp sechseinhalb Millionen Dollar kostete dieser Donnerschlag von B-Movie. Dabei ist er sein langfristig betrachtet einflußreichster und auch bester Film; für die Ästhetik des Actionkinos der 1980er Jahre setzte Der Terminator neue Maßstäbe.

Cameron hatte zuvor nur Regie geführt bei Piranha II, konnte nun zum ersten Mal auch einen eigenen Stoff nach vergleichsweise eigenem Willen verfilmen; und Arnold Schwarzenegger fing nach Conan, der Barbar eben erst an, bei Trashliebhabern Anerkennung zu finden. Nicht weniger als sein Weltruhm gründet auf der Titelrolle in Der Terminator: als Cyborg, aus der maschinenbeherrschten Zukunft ins Jahr 1984 gebeamt, um die spätere Mutter des menschlichen Widerstandsanführers zu liquidieren.

Heute gehört der übermenschliche Kampfkoloß mit Lederjacke und Sonnenbrille zum Grundinventar der Filmgeschichte, und geradezu unvorstellbar mutet an, daß ursprünglich Cameron den Terminator mit Lance Henriksen hatte besetzen wollen (auch Jürgen Prochnow, Sylvester Stallone und Mel Gibson waren u.a. im Gespräch gewesen). Die Besetzung ist für alle Beteiligten ein Glücksfall, denn Schwarzenegger, dem man sonst eigentlich keine Rolle abkaufen kann, ist hier dergestalt in seinem Element, als wäre ihm die Figur auf den Leib geschneidert. Permanent läuft er mit einem Gesicht wie ein Feuermelder herum, läßt viel lieber die Tat sprechen als das Wort – und wenn er dann doch einmal den Mund auftut, dann um so unsterbliche Sätze zu sprechen wie: »Fick dich selber, Arschloch!«

In der klug erzählten Geschichte tritt die Menschheit gegen ihre eigene Schöpfung an – wohl nicht ganz zufällig in Gestalt einer Frau, die ein Kind gebären muß, um die Langzeitschäden der männlichen Erfindungsgabe halbwegs geradezubiegen: Wie auch in den meisten von Camerons späteren Filmen spielt hier die janusköpfige Technik die heimliche Hauptrolle. Sein Technologie-Ästhetik-Fimmel scheint sich aber, außer auf die Handlung und das Aussehen des Films, auch unmittelbar auf das Handwerk positiv auszuwirken: Cameron inszeniert so exakt, wie man eine Maschine baut.

Der Terminator ist einerseits ungeheuer dicht und atmosphärisch, ruppiges und geradliniges Genrekino, mit düster wummerndem Synthesizer-Soundtrack und herausragender Photographie. Aber gerade in der Gestaltung der Actionsequenzen ist Cameron besonders überzeugend. Anstelle à la Michael Bay Tempo durch hektische Schnipselmassaker zu forcieren, beweist er ein unerhört feines Sensorium für Bewegung, Raum und Koordination, und macht deswegen auch mit kleinem Geld fabelhaft wuchtige Action. Und das war auch 1984 nicht selbstverständlich. Ja: Hier merkt man jeder Einstellung an, daß sie mit Überzeugung und Herzblut gedreht wurde – das gilt auch für die nostalgischen Analogeffekte – und unter solchen Voraussetzungen sind sechseinhalb Millionen Dollar unschätzbar viel mehr wert als gedankenlos neunstellige Budgets von unpersönlichen Mega-Blockbustern. 2009-11-04 15:32

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