— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Rambo

First Blood. USA 1982. R: Ted Kotcheff. B: Michael Kozoll, William Sackheim, Sylvester Stallone. K: Andrew Laszlo. S: Joan E. Chapman. M: Jerry Goldsmith. P: Anabasis N.V., Elcajo Productions. D: Sylvester Stallone, Richard Crenna, Brian Dennehy, Bill McKinney, Jack Starrett, Michael Talbott, Chris Mulkey, John McLiam u.a.
93 Min.

Warum läuft Herr R. Amok?

Von Sven Lohmann Bei wenigen Filmen ist der deutsche Titel besser als der Originaltitel; neben Spiel mir das Lied vom Tod zum Paradebeispiel gehört Rambo dazu, auf Englisch wesentlich schlichter und weniger prägnant First Blood betitelt. Allerdings eilt wenigen Filmfiguren ein so schlechter Ruf voraus wie John Rambo. Medienpädagogen schlagen die Hände überm Kopf zusammen, der Name ist zum geflügelten Wort geworden, selbst der Duden bescheidet uns, unter einem Rambo verstehe man einen »brutalen Kraftprotz«. Dabei sind an Rambos unrühmlichem Leumund lediglich die üblen Fortsetzungen schuld. Dieser erste Teil der Rambo-Reihe jedoch, erfolgreichster Videotitel der 1980er Jahre, nimmt Rambo noch halbwegs als Charakter ernst und ist so stilbildend für das Actionkino seiner Zeit wie sonst nur noch Nur 48 Stunden und Der Terminator. Auch wenn die überwältigende Mehrheit der Rambo-Trittbrettprojekte schlichtweg ungenießbar ist.

Die dummdreiste Schote Die rote Flut etwa (auch von Buzz Feitshans produziert) zeigt tapfere US-Teenies, die mit der Guerilla-Taktik ihre Heimat retten – wenn's schon in Vietnam nicht so berauschend funktioniert hat, dann doch wenigstens im Kino. Dagegen versteht Rambo tatsächlich über ein ähnliches Thema eine ordentliche Geschichte zu erzählen. Der stoische und abgerissene Titelheld auf der Durchreise, seines Zeichens Vietnam-Veteran, gibt eine Kostprobe seines Könnens für die Polizei, die ihn schikaniert – im Wald, wo er mit seiner Kampferfahrung Heimspiel hat. So wird Rambo zur Parabel über den Vietnam-Krieg, dessen Modell in einem naßkalten US-amerikanischen Bergkaff noch einmal im Kleinformat abgezogen wird: In seiner nicht besten (nach wie vor: Copland), aber Vorzeigerolle wird Sylvester Stallone als hochgezüchteter Elite-Killer für das System zum Bumerang. Und Stallone, der zuvor eher als eine Art verkannter Auteur betrachtet werden mußte, brachte es nebenbei mit Rambo zu einem der beliebtesten Schauspieler seiner Zeit. Als Rambo bleibt er aber der gleiche Underdog wie auch zuvor Rocky. Die Vietnam-Veteranen sind hier keine glänzenden Helden, sondern, wie beispielsweise auch etwas später Platoon bemerkt, größtenteils Menschen aus der Unterschicht; für das Bürgertum gut genug, um im Busch die freie Welt zu verteidigen, hinterher in der sauberen und ordentlichen Kleinstadtwelt herumlungern sollen sie dann aber bitte nicht.

Besonders im Vergleich mit heutigen Actionfilmen, die einander ermüdend in punkto Laufzeit und Materialverschleiß zu überbieten suchen, aber kaum einmal so etwas besitzen wie eine kontinuierliche Handlung – besonders da ist Rambo ein ungeheuer erfrischender Film. Der kanadische Regisseur Ted Kotcheff leistet ganze Arbeit: Straff, energisch zupackend und schnörkellos präzise inszeniert, aber dennoch unaufdringlich; mit Verständnis für seinen Antihelden zwar, aber ohne die alberne ideologische Kontamination der Fortsetzungsteile. Überflüssig und unangebracht ist einzig der peinliche Schlußmonolog Rambos, der gewissermaßen als Moral der Geschichte just die Kriegsgegner zum Hauptfeind und -schuldigen erklärt – aber in Produktionen von Buzz Feitshans muß das wohl als das Mindeste gelten. Ein Wermutstropfen, denn nichtsdestoweniger ist Rambo mitreißendes Kino. 2009-09-30 13:45
© 2012, Schnitt Online

Sitemap