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Der Tod kennt keine Wiederkehr

The Long Goodbye. USA 1973. R: Robert Altman. B: Leigh Brackett. K: Vilmos Zsigmond. S: Lou Lombardo. M: John Williams. P: E-K-Corporation, Lions Gate Films. D: Elliott Gould, Nina von Pallandt, Sterling Hayden, Mark Rydell, Henry Gibson, David Arkin, Jim Bouton, Warren Berlinger u.a.
112 Min.

Es ist Gould, was glänzt

Von Oliver Baumgarten »A spit in the eye to a great writer«, urteilte ein Londoner Kritiker und ging damit (nicht als einziger) Robert Altmans genialer Legendendemontage kräftig auf den Leim. Raymond Chandlers bis zur Ermüdung verfilmte Figur des Privatdetektivs Philip Marlowe, nicht zuletzt dank Bogarts Verkörperung eigentlich eine Ausgeburt an Coolness, erhält von Altman einen zwar wenig schmeichelhaften, aber zweifellos markanteren Anstrich. Ausgerechnet Elliott Gould, so etwas wie den Erfinder des mimischen Grunge, besetzte Altman als Marlowe und düpierte den gestrengen Cineasten mit einer kettenrauchenden, unrasierten, schmuddeligen Ermittlerschlampe, die inkompetent und dazu noch feige ins Blaue recherchiert: Ein Freund Marlowes wird beschuldigt, seine Frau umgebracht zu haben – eine Version, die Marlowe stutzig macht. Und so stürzt er sich selbst in den undurchsichtigen Fall, der ihm schnell die ein oder andere Grenze aufzeigt.

An den Rand der Parodie treibt Altman seine clevere Bösartigkeit, geschrieben von Leigh Brackett, der bereits 1946 am Skript zur wohl bekanntesten Marlowe-Verfilmung, Tote schlafen fest, beteiligt war. Diesem schien es ein Anliegen, das selbst verantwortete Bild Marlowes zu revidieren und versetzte den verdienten Detektiv zu allem Überfluß aus den sauberen 1950ern mitten in die Hippie-70er. Neben der überragenden Leistung Goulds sei noch auf die Winzrolle eines österreichischen Muskelbergs aka kalifornischen Gouverneurs hingewiesen, der als Bodyguard durch Vilmos Zsigmond wunderbare Bildkompositionen stakst. 2009-09-23 12:00
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