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Tatort

Der Tatort im Ersten. Sonntag, 20:15 Uhr. Die Nachbesprechung auf Schnitt Online. Montag ab 9 Uhr.
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Das Schnitzel der Haute Cuisine

Vermisst (SWR/Ludwigshafen, EA: 11.10.09)

Von Christian Lailach Ein Hoch auf mehr Mundart im Tatort – das wäre nicht das erste Mal, aber das Gefühl täuscht nicht, als müsse es wieder und wieder erneuert werden. So richtig trauen es sich auch nur die Nebencharaktere, all die anderen scheinen mit ihrem Dialekt nicht ganz im Reinen. So freut es, wenn Frau Keller wieder mal von viel Belanglosem schwätzt und Becker a Analys' vornimmt, die vielen verborgen bleibt. Wenn dann auch die Kommissare ein wenig verdutzt schauen, wissen wir, daß es nicht schlimm ist, nichts zu wissen. Solange all dies nicht zum aufgesetzten Slapstick verkommt, fühlen wir uns verankert in der Fernsehrealität und wohlig an einem kalten Sonntag Abend.

Der Fall fällt gleich mit der Tür ins Haus, das Telefon klingelt und eine Frau bestellt Odenthal in den Ludwigspark. Bis zweite dort ankommt, wird erste bereits tot sein. Kopfschuß auf der Bierzeltgarnitur. Es gibt keine Verdächtigen, kaum Spuren und so tauchen erst eine Weile nach dem Opfer weitere Personen auf; unter ihnen Harfouch, die grandios – wir befinden uns im deutschen Fernsehen – die zickige, kühle, abgestoßene Ehefrau spielt und mit Willems einen unglaublich unterwürfigen, weinerlichen Ehemann zur Seite gestellt bekommt. Eigentlich sollte Harfouch – wenn sie es nicht bereits täte – nur noch solche Charaktere spielen. Ein wenig böse, intrigant und zum Schluß auch gern noch mal weinen dürfen, weil ihr alles so leid tut – das kann sie, das kann sie sogar gut. Nun sind gleich zwei Verdächtige da, dazu ein seit zwölf Jahren vermißtes Mädchen und ein alter Fall samt Hauptkommissar a.D. und dem frisch entlassenen Mörder. Bei DJ Sunny, dem Exfreund des Opfers, läuft auch noch der beste Mix der 80er und 90er und wir wissen endlich, daß wir beim deutschen Durchschnitt angekommen sind. Die Landeswellen und -antennen grüßen also aus dem Hintergrund und lassen uns samt der Mundart und einem relativ undurchsichtigen, verstrickten Fall nicht mehr los. Zumal wir noch was lernen können. Zum einen, daß die Kalb-Thunfisch-Happen gerade aus sind und zum anderen, daß das Opfer eigentlich eine Sofanudel war und gar nicht so recht zu dem Opfer zu passen scheint.

Kalb-Thunfisch-Happen und Sofanudeln sind nur zwei von den kleinen Spitzen, die zeigen, daß die Liebe zum Detail und ein durchaus konservativ strukturierter Fall über so manche Probleme hinweg sehen lassen. Auch über die schwerwiegende, beinahe philosophische Frage nach Schuld und Sühne, etwas belanglose Parallelschnittorgien und irreführende Spannungstrommelwirbel und viel Speis und Trank. Trüffel, Sterne-Koch und Odenthals Geburtstag sind denn wohl eher dem 20-jährigen Jubiläum der Ludwigshafener zuzuschreiben; und sie seien ihnen gegönnt, wenngleich zwischen all den Gourmetgaumen Ex-Kommissar Schlothfang uns wieder auf den Boden der Realität beordert. Wo steht denn hier das Schnitzel, Mäuschen? So geht das nicht! 2009-10-12 13:19

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