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Tatort

Der Tatort im Ersten. Sonntag, 20:15 Uhr. Die Nachbesprechung auf Schnitt Online. Montag ab 9 Uhr.
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Flohwalzer

Platt gemacht (WDR/Köln, EA: 4.10.09)

Von Christian Lailach Bei Nino um die Ecke herrscht, wie jeden Sonntag Abend, Hochbetrieb; da blättern wir zwangsläufig im EXPRESS und erfahren, daß Shakira Flönz gegessen hat und Pochers Vater erfahren haben will, daß es ihr schmeckte. Neben diesen lokal spannenden Informationen titelt das Boulevard-Blättchen mit »Der kölscheste Tatort aller Zeiten« und verrät, daß gleich drei Kölner Urgesteine hier auftreten werden: Udo Kier, Peter Millowitsch und die Höhner. Das kann ja spannend, unterhaltsam und vielleicht sogar tatsächlich wat kölsch werden.

Doch was war das? Das Drehbuch erinnerte eher an frühere Tatorte, die heute keiner mehr sehen mag; nicht mal mehr aus Nostalgie. Da wird langweilig und eigentlich auch nicht spannend ein Schema abgearbeitet, daß einem die Lust am Ermitteln vergeht. Die schrecklich verklemmten, unnatürlich und unnötig pointierten Dialoge scheinen da nicht mal den Schauspielern Spaß zu machen. Der Schnitt kam auch nicht über VHS-Kurs-Niveau hinaus. Da wurden uns zusammenhanglose, unrhythmische Zwischenschnittsequenzen präsentiert, daß wir darüber das Zuhören ganz vergaßen. Kleine Statuen, schicke, aufgeräumte Hinterhöfe, ein stur dreinschauender Kier, doch warum das alles? Um Emotionen zu wecken? Um all das zu unterstreichen, was wir eh schon wußten, da wir es vorher erklärt bekamen? Auf die für den Kölner Tatort typische Currywurstbraterei warteten wir auch vergebens; stattdessen wurde sie scheinbar durch ein jetzt auch schon öfter gesehenes und immer wieder in neue Funktionen gestecktes Büdchen ersetzt. Wieso an solch Grundfesten rütteln? In Köln liegt da die Vermutung nahe, daß das Budget wohl eher in Millowitsch und Höhner floß, die in der Schluß-Sequenz mit Bemerkungen wie »Ach, guck' mal! Das ist doch der Peter Millowitsch!« für ein paar Sekunden im Bild auftauchten. Da reichte das Geld dann eben nicht mehr, um die bekannte Wurtbude mal fix über die Deutzer Brücke zu schaffen.

Soviel zu den technischen Details. Das Thema an sich war genauso verkrampft bis didaktisch; zumal jeder Fauxpas im Obdachlosen-Milieu mit zwei politisch korrekten Äußerungen wieder gut gemacht werden sollte. Und die Geschichte? Da zog sich letztlich einer einfach aus der Affäre und all unsere Aufmerksamkeit, die wir die letzte gute Stunde aufbrachten, wurde mit einem Male überflüssig. Insofern ist dieser Tatort ein Grauen sondergleichen, wenngleich es kaum kölscher sein kann. Et es halt wie et es, kütt wie et kütt un hätt noch immer jot jejange. 2009-10-05 09:38

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