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Cinema Paradiso

I/F 1988. R,B: Giuseppe Tornatore. B: Nicholas Pileggi, Martin Scorsese. K: Blasco Giurato. S: Mario Morra. M: Ennio Morricone. P: Cristaldifilm. D: Philippe Noiret, Jacques Perrin, Isa Danieli, Salvatore Cascio, Marco Leonardi, Antonella Attili, Brigitte Fossey u.a.
120 Min. Concorde ab 7.12.89

Die Alchimie des Kinos

Von Constanze Frowein In Cinema Paradiso aus dem Jahr 1988 erzählt der bis damals noch recht unbekannte Giuseppe Tornatore die Geschichte vom Ende eines sizilianischen Kinos von den 1950er Jahren bis in die Zeit der 1980er Jahre. Die Geschichte des kleiner Totò, der im heiligsten Ort seiner Kindheit und Jugend, einem Kino, dem Filmvorführer Alfredo helfen darf, um dessen Arbeit später zu ersetzen, strickt eine enge Verbindung zwischen dem sizilianischen Leben und der Welt des Films. Vom Dorfpfarrer zensierte Kußszenen legendärer Filme bewahrt der kleine Totò bei seinem großen Freund Alfredo. Als erwachsener Mann sowie gefragter Regisseur konzentriert Totò all diese sehnsüchtigen Momente später mit einem Zusammenschnitt zur Alchimie des Kinos. Zwar wollte Tornatore für diese Szene Federico Fellini als Darsteller des Filmvorführers verpflichten, um der Szene implizit noch mehr Gewicht zu verleihen, doch der lehnte mit folgender Begründung ab: In einer solch wichtigen Szene des Films solle man nicht mit einem »lästigen Gesicht« wie seinem ablenken. Fellini riet Tornatore, doch lieber ein »unbedeutendes« wie seines der Szene zu überlassen, was Tornatore dann auch tat.

Schon die Rolle des alten Filmvorführers Alfredo impliziert die grandiose Darstellung der Entwicklung des Kinos. Tornatore erklärt, im Subtext sei Alfredo das Kino selbst, denn kurze Zeit, bevor das Fernsehen sich im Alltag der Dorfbewohner breitmacht, erblindet der charismatische Filmvorführer – wenige Tage, bevor das Cinema Paradiso abgerissen wird, stirbt er. Hier zeigt sich, so Tornatore »die ganze mythologische Größe« der Figur Alfredos.

1988 wurde Cinema Paradiso das erste Mal vor Publikum gezeigt und sofort wieder abgesetzt. Zwar sollte der Film, der vom damaligen Berlinaledirektor als B-Movie gehandelt wurde, dort aus diplomatischen Gründen gezeigt werden, doch das unterband der Regisseur des heutigen Filmklassikers kurzfristig, um ihn im selben Jahr in Cannes zu zeigen. Dort wurde er zum großen Erfolg, gewann den großen Preis der Jury und kurze Zeit später dann auch den Oscar für den besten ausländischen Film – auch auf der winzigen Fläche des Fernsehbildschirms verliert diese Liebeserklärung an das Kino Siziliens zu Tornatores Jugend keinesfalls an Gewicht. 2009-07-31 14:37
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