— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Coming Home – Sie kehren heim

Coming Home. USA 1978. R: Hal Ashby. B: Robert C. Jones, Waldo Salt. P: Jerome Hellman Productions, Jayne Productions. D: Jane Fonda, Jon Voight, Bruce Dern, Penelope Milford, Robert Carradine, Robert Ginty u.a.
127 Min.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Von Susan Noll Hal Ashby hat es schon immer verstanden, sich ganz tief in seine skurrilen Charaktere einzufühlen. Er war nämlich selbst eine etwas verrückte Gestalt: Kind von Mormonen, verheiratet und geschieden, bevor er 19 war, später drogenabhängig. Mit seinen langen, zotteligen Haaren war er den Hippies schon sehr ähnlich. Teile von deren Lebenshaltung und seine eigene Weltsicht verarbeitete Ashby in Filmen, die sich ganz auf das Innenleben ihrer Protagonisten stützen.

Coming Home erzählt die Geschichte von Hoffnungen und Enttäuschungen. Zunächst ist es die große Freude des Captain Bob Hyde auf seinen lang ersehnten Einsatz im Vietnamkrieg, die ihn die Bedürfnisse seiner Ehefrau Sally vergessen läßt. Für sie beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Sie nimmt einen Job als Krankenschwester in einem Hospital für Veteranen an. Die Männer dort zeigen Sally, was Bob nicht sehen wollte: Verstümmelung, sowohl körperlich als auch seelisch, Desillusion, Hoffnungslosigkeit. Diese Männer haben schon alles gesehen. Aber manche von ihnen schreiben das Leben trotzdem nicht ab, wie der gelähmte Luke Martin. Er und Sally nähern sich an, verlieben sich gar. Bei Luke entsteht Hoffnung auf Normalität, und Sally erkennt, was Krieg aus Menschen machen kann. Bob allerdings wird enttäuscht, der Krieg hat auch ihm gezeigt, wie er wirklich ist, traumatisiert kehrt er zurück.

Poetisch, fast verträumt erscheint die Bildsprache von Coming Home. Wie ein Weichzeichner legt sich die Sonne über den malerischen Küstenort. Das klingt zunächst nach Kitsch, der allerdings mit der sozialen Situation der Veteranen und ihrer Umgebung stark kontrastiert wird. Trotzdem, die Kamera bleibt ruhig und sucht nicht das Reißerische, vielmehr fängt sie die Charaktere in langen Einstellungen ein und bietet den Schauspielern Raum zur Entfaltung. So rücken die Figuren ganz von selbst in den Mittelpunkt. Ikone Jane Fonda läßt ihren Charakter zwischen Unsicherheit und Selbstbewußtsein schwanken, und Jon Voight gibt den gelähmten Rückkehrer mit zorniger Inbrunst. Die Wut richtet sich allerdings nicht gegen das Land oder den Krieg, sondern ist vielmehr auf die Möglichkeiten des Lebens selbst gerichtet. Wann kann man entscheiden, wie es weitergehen soll, mit wem man wie leben möchte?

Ashby versucht somit gar nicht erst, den Staat explizit anzugreifen, wie es im New Hollywood durchaus üblich war. Sicherlich wird die Antikriegshaltung in den Figuren der traumatisierten Heimkehrer artikuliert. Darin zeigt sich aber schon Ashbys zurückhaltender Ansatz: Es sind die Charaktere, die als Sprachrohr einer Meinung fungieren und auf einer subjektiven Ebene ihre Haltung verdeutlichen. Diese Vorgehensweise ist berührend, bringt dem Zuschauer die Figuren nahe und kann so eine größere Wirkung entfalten als jedes radikale Statement. Der Film zeigt einfache Menschen, die versuchen, sich mit ihrem Schicksal zu arrangieren. Sie geben sich ihren Träumen und Wünschen hin, wollen Hoffnungen bestätigt wissen und Enttäuschungen vermeiden. Damit zeichnet Coming Home nicht nur ein subjektives Porträt seiner Zeit, sondern erscheint auch als Parabel auf das Leben selbst. 2008-10-30 14:49

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap