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Ronin

USA 1998. R: John Frankenheimer. B: J.D. Zeik, David Mamet. K: Robert Fraisse. S: Tony Gibbs. M: Elia Cmiral. P: FGM Entertainment, United Artists. D: Robert De Niro, Jean Reno, Natascha McElhone, Sean Bean, Stellan Skarsgård, Skipp Sudduth, Michael Lonsdale, Jonathan Pryce, Katarina Witt, Jan Triska, Ron Perkins u.a.
116 Min. UIP ab 3.12.98

Ehrenschuld

Von Nils Bothmann Ein Ronin ist ein Samurai, der seine Ehre, seinen Herrn und damit seine eigentliche Berufung verliert – von da an ist er gezwungen, als Söldner zu arbeiten, seine Dienste an den Meistbietenden zu verkaufen. Die Protagonisten von John Frankenheimers Ronin sind zwar keine Japaner, aber letztendlich trifft kaum ein anderer Begriff ihren Beruf so gut wie dieser. Aus verschiedenen Ländern stammen sie, aus den wenigen Informationen, die sie über sich preisgeben, kann man schließen, daß sie früher für Geheimdienste oder Terrororganisationen gearbeitet haben, und ihren jeweiligen Job verstehen sie perfekt. Es sind Profis, die mit einer Kaffeetasse einen Hinterhalt stellen können, unter denen Aufschneider und Maulhelden direkt als solche enttarnt werden, die bloß ihren eigenen Prinzipien folgen.

Sie werden engagiert, einen geheimnisvollen Koffer, einen klassischen McGuffin, aus den Klauen ebenso geheimnisvoller Gegenspieler zu entreißen, deren Professionalität der ihren ebenbürtig ist, die sogar noch eine neue Dimension der Skrupellosigkeit hinzufügen. Bei den Feuergefechten und Verfolgungsjagden, die sich die Profis liefern, sterben auch diverse Zivilisten, Frankenheimer verweigert sich dem klinisch sauberen Actionkino. Gleichzeitig sind diese Szenen von roher Kraft und faszinierend spektakulär, vor allem die Autojagden auf europäischen Landstraßen und in Metropolen sind Meisterstücke ihrer Kunst.

Parallel zur bildgewaltigen Attraktion verschwimmen die Grenzen zwischen Freund und Feind. Die Motive der Auftraggeber, die von den Profis zuvor nicht hinterfragt wurden, werden immer wichtiger, scheinen Fragen zu erfordern, die man aus Berufsethos sonst nicht stellt. Gleichzeitig ziehen nicht alle modernen Ronin an einem Strang, auch in ihrer Mitte gibt es Leute, die ein doppeltes Spiel treiben – die damit quasi die noch verbliebenen Prinzipien von Ehre und Loyalität hintergehen, den Rest des Samurai-Codes, der den Söldnern noch bleibt.

Ronin ist klassisches Actionkino, inszeniert im Stil von Werken wie French Connection, bodenständig und fernab CGI-übersättigter Bilderwelten. Doch das Gelingen von Ronin ist auch dem Script von J.D. Zeik und David Mamet geschuldet, das eine komplexe und überraschende Geschichte spinnt. Hinzu kommt eine Top-Besetzung, die mit Robert de Niro und Jean Reno zwei der wohl charismatischsten modernen Ronin bietet, die man sich vorstellen kann. Jedoch sollen auch die Leistungen von Stellan Skarsgard, Natascha McElhone und der restlichen Darsteller nicht unterschlagen werden – allesamt Akteure in einem fesselnden Verwirrspiel um Betrug, Ehre und Prinzipien. 2008-09-24 16:13

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