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Running Scared – Renn oder stirb

Running Scared. USA 2006. R,B: Wayne Kramer. K: Jim Whitaker. S: Arthur Coburn. M: Mark Isham. P: Media 8 Entertainment. D: Paul Walker, Cameron Bright, Vera Farmiga, Chazz Palminteri, Johnny Messner, Michael Cudlitz, Alex Neuberger, Ivana Milicevic, John Noble, David Warshofsky, Bruce Altman, Brian Caspe, Karel Roden u.a.
117 Min. 3L ab 13.4.06

Ein böses Märchen

Von Nils Bothmann Während des Abspanns erzählt Running Scared seine Geschichte noch einmal im Schnelldurchlauf in Comicbildern, die dem zuvor Gesehenen einen neuen Ansatz geben: nämlich den Film als Märchen zu verstehen. So fallen vor allem bei mehrmaliger Sichtung die kleinen Anspielungen auf das Genre des Märchens auf. Doch auch ohne die Märchendeutung ist der fiese kleine Thriller von The Cooler-Regisseur Wayne Kramer ein temporeiches und unangepaßtes Vergnügen. Als Vorbilder für seinen Film nennt Kramer Sam Peckinpah und Don Siegel, wobei Running Scared vor allem deren Zynismus aufgreift. Bereits der Held ist ein kleiner Mafiahandlanger, der Tatwaffen verschwinden läßt und in Schwierigkeiten gerät, als der Nachbarsjunge eine solche entwendet und gegen seinen gewalttätigen Vater richtet. Doch der Held hat wenigstens noch Prinzipien und eine eigene Form von Gerechtigkeitssinn, die ihn von den großen bösen Wölfen draußen in Wayne Kramers Märchenwald unterscheidet. Manche mögen zwar im Schafspelz daherkommen, doch auf der Suche nach der Waffe werden der Held und seine Frau mit Zuhältern, korrupten Cops und Kinderschändern konfrontiert.

Das ist sicherlich harter Tobak und daher wohl nicht für jedermann geeignet, zumal Running Scared mit wunderbar durchstilisierten, aber gleichzeitig auch sehr harten und rohen Actionszenen aufwarten. Selbige sind jedoch alle in kleinem Rahmen gehalten, was Running Scared vom Pomp der Blockbusterspektakel absetzt. Schließlich wirkt ein in Schwarzlichtschein stattfindendes Finale, in welchem der Held auf brachiale Weise mit Eishockeypucks beharkt wird, schon intensiver als die x-te Flucht vor einer Riesenexplosion.

Neben der aberwitzigen Hatz nach der Tatwaffe (bei welcher der Held noch nebenbei Beweise vor der Polizei verstecken muß) ist es dann auch Kramers Inszenierung, die den Film so sehenswert macht. Farbfiltereinsatz, Fast Forward und Fast Rewind bei Rückblenden und Kamerafahrten, welche die Flugbahn von Projektilen nachzeichnen, gehören zum Repertoire des Films. Gleichzeitig begeht Kramer nicht den Fehler, derartige Stilmittel zu inflationär einzusetzen, sondern bringt sie sinnvoll in seine Geschichte ein. Eine weitere Leistung muß man Kramer ebenfalls anrechnen: Er schafft es, Paul Walker, den man sonst als Sunnyboy kennt, zum Schauspielern zu motivieren und das sogar richtig überzeugend. Von daher kann man jedem, der sich von einem gewissen Maß an Härte und Zynismus nicht abschrecken läßt, Running Scared nur ans Herz legen, denn Kramers Film ist nicht nur erfrischend unangepaßt, sondern auch wirklich spannend und fabelhaft inszeniert. 2008-06-27 13:52
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