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Total Recall – Die totale Erinnerung

Total Recall. USA 1990. R: Paul Verhoeven. B: Ronald Shusett, Dan O'Bannon, Jon Povill. K: Jost Vacano. S: Carlos Puente, Frank J. Urioste. M: Jerry Goldsmith. P: Carolco International N.V., Carolco Pictures, TriStar Pictures. D: Arnold Schwarzenegger, Sharon Stone, Rachel Ticotin, Michael Ironside, Ronny Cox, Marshall Bell, Mel Johnson Jr., Roy Brocksmith, Ray Baker u.a.
109 Min. Scotia ab 26.7.90

Memories of Mars

Von Nils Bothmann Action mit Hirn – mit dieser Kurzbeschreibung lassen sich viele Filme Paul Verhoevens fassen: Mediensatire in RoboCop, Gesellschaftskritik in Starship Troopers oder das Spiel um Schein und Sein. Bereits Jahre vor dem Matrix-Hype geht es auch in Total Recall um einen Helden, der nicht so recht weiß, ob er wacht oder träumt und wem er überhaupt trauen soll.

An sich will Bauarbeiter Douglas Quaid einen virtuellen Urlaub auf dem Mars verbringen – als Geheimagent. Als ihm die zuständige Firma namens Rekall jedoch das notwendige Erinnerungsimplantat einpflanzt, erinnert sich Quaid an seine wahre Vergangenheit als Geheimagent. Oder doch nicht? In einer Schlußszene, die ähnlich zweideutig wie die letzte Einstellung von Verhoevens Basic Instinct ist, wird gar gefragt, ob das Filmgeschehen nur ein Traum war – die Antwort überläßt Total Recall dem Zuschauer.

Eindeutig kann diese jedoch gar nicht ausfallen, da Verhoevens Film immer wieder zur Verunsicherung des Zuschauers beiträgt, z.B. in jener Szene, in der ein angeblicher Rekall-Mitarbeiter Quaid überzeugen will, daß dies nur ein schlechter Implantat-Trip sei. Quaid glaubt jedoch an die Realität der Mars-Abenteuer und erschießt ihn einfach. In solchen Momenten offenbart sich der Verhoevensche Zynismus in Bezug auf seine Helden: In seinen Methoden ist Quaid nicht weniger brutal als seine Verfolger, benutzt Touristen als Schutzschild und kämpft auch gegen die (angebliche) eigene Ehefrau. Die Dekonstruktion des Helden und die Frage nach der Realitätsebene kulminieren gar in einer Szene, in der eine Videobotschaft Quaid daran zweifeln läßt, ob er überhaupt sich selbst trauen kann.

Doch Paul Verhoeven weiß nicht nur, wie man interessante Diskurse austrägt, sondern auch, wie man diese ausgesprochen dynamisch verpackt: Untermalt von einem fantastischen Score bietet Total Recall eine durchweg packende, mit erfreulich unangepaßter Action gewürzte und vom Setdesign her ausgesprochen fantasievolle Hatz durch die Zukunft. Sicherlich einer der besten Filme Verhoevens, der selbst nach mehrmaliger Sichtung eine Frage offenläßt: War alles bloß ein Traum? 2008-05-05 10:51
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