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Last Boy Scout

The Last Boy Scout. USA 1991. R: Tony Scott. B: Shane Black, Greg Hicks. K: Ward Russell. S: Stuart Baird, Mark Goldblatt, Mark Helfrich. M: Michael Kamen. P: Geffen Pictures, Silver Pictures, Warner Bros. Pictures. D: Bruce Willis, Damon Wayans, Chelsea Field, Noble Willingham, Taylor Negron, Danielle Harris, Halle Berry, Bruce McGill, Badja Djola, Kim Coates, Chelcie Ross, Joe Santos u.a.
101 Min. Warner ab 12.3.92

Zynismus im Gegenlicht

Von Nils Bothmann »Niemand mag dich. Alle hassen dich. Du bist ein Verlierer.« Diese Worte werden Privatdetektiv Joe Hallenbeck nicht etwa von einem Rivalen entgegengeschleudert, sondern so begrüßt er sich selbst bei seinem Anblick im Rückspiegel seines Autos. Last Boy Scout erzählt von einer Krise der Männlichkeit, ähnlich wie der vergleichbare, einige Jahre zuvor entstandene Bruce-Willis-Hit Stirb langsam. Trotz großer Ähnlichkeiten was die Hauptfigur angeht, setzen beide Filme die Akzente doch unterschiedlich: Wo McTiernans Klassiker sich auf das Spannungspotential des Überlebenskampfes im Hochhaus konzentrierte, da widmet Tony Scotts Last Boy Scout seiner Hauptfigur noch mehr Aufmerksamkeit.

Joe Hallenbeck ist seiner Frau entfremdet, liegt im Clinch mit der ruppigen 13jährigen Tochter, ist vom Secret-Service-Agenten zum abgehalfterten Privatdetektiv abgestiegen und lebt seinen Menschenhaß zu jeder sich bietenden Gelegenheit aus. Dieser Zynismus, der sich stets in markigen Sprüchen wie »Ich glaube an die Liebe. Ich glaube auch an Krebs« äußert, ist ein roter Faden, der sich durch die Arbeiten von Drehbuchautor Shane Black (Lethal Weapon, Kiss Kiss, Bang Bang) zieht. Hier dient er vor allem der Artikulation des Problems, vor dem Hallenbeck steht: Er sowie seine Vorstellung von Männlichkeit und von Familie wirken veraltet und werden kaum verstanden, was Hallenbeck mehr mitnimmt als die Killer und Schlägertypen, auf die er trifft. Im Verlauf der Handlung muß Hallenbeck also nicht nur den Mord an einer Klientin aufklären und die dahintersteckende Verschwörung zerschlagen, sondern auch sein Leben wieder in geordnete Bahnen bringen. Er muß sich selbst verändern, so wie sich auch die Leute in seinem Umfeld etwas anpassen müssen; vor allem müssen sie kommunizieren, denn Last Boy Scout ist auch ein wütender Film über die Einstellung der Kommunikation, wie Milan Pavlovic in einem lesenswerten Artikel zu dem Film feststellte.

Als Katalysator für diese Kommunikation wirkt der Partner, den man Hallenbeck in diesem Buddy-Movie zur Seite stellt: Jimmy Dix, Ex-Footballstar und Freund der Ermordeten. Die beiden spielen sich die Bälle zu, liefern sich höchst amüsante Wortgefechte und dringen in diesen so lockeren Gesprächen immer wieder zu den Problemsituationen durch, die sie beide durchleben. Denn auch Jimmy muß erst seinen Platz finden, eine weitere Krise der Männlichkeit überwinden, wodurch Last Boy Scout verdeutlicht, daß sein Held kein Einzelfall ist.

Neben all den häuslichen Krisen wirken die Actionszenen fast schon als willkommene Abwechslung für die Helden: Dies scheinen einfach zu lösende Probleme, wo rohe Gewalt als männliche Selbstbestätigung noch funktioniert, während Hallenbeck z.B. zuhause mit seinem Aggressionspotential nur auf eine Form von Gegendruck stößt, der ihn hilflos macht. Im Gegensatz dazu ist es schon ein kathartischer Moment, wenn er einem Killer gegenüber die Drohung »Mach's noch mal, und ich schlag dich tot!« wortwörtlich umsetzt. Gleichzeitig sind die Actionmomente stets ein bildgewaltiges Spektakel, von Tony Scott in brillant durchstilisierten Bildern eingefangen. Mit energetischem Schnitt, wohldosiertem Einsatz von Zeitlupen und reichlich Gegenlichtaufnahmen erweist sich der jüngere Bruder Ridley Scotts als großartiger Genreregisseur und blieb dem Actionfach auch in den Folgejahren treu. Selten war er danach jedoch so kompromißlos und so zynisch wie bei diesem Film. 2008-09-17 15:55

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