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Zwei Superpflaumen in der Unterwelt

Wise Guys. USA 1986. R: Brian De Palma. B: George Gallo. K: Fred Schuler. S: Gerald B. Greenberg. M: Ira Newborn. P: MGM. D: Danny DeVito, Joe Piscopo, Dan Hedaya, Harvey Keitel u.a.
87 Min.

Mit lockerer Hand

Von Oliver Baumgarten Heterogener kann das Œvre eines Regisseurs kaum sein wie das von Brian De Palma, der ab Ende der 60er Jahre Unterschiedliches wie Carrie, Scarface oder Dressed to Kill fabrizierte, dessen Opus Magnum The Untouchables und dessen kommerziell erfolgreichster Film Mission: Impossible war. Vom Anarcho-Slapstick bis zum lupenreinen Actionfilm bediente er ein breites Genre-Spektrum, entdeckte 1968 Robert De Niro für den Film und eroberte mit Mission to Mars 2000 gar den Weltraum.

Doch im Gegensatz zu den vielen Unterhaltungshandwerkern Hollywoods kann von Profillosigkeit im Zusammenhang mit De Palma kaum gesprochen werden. Seine klar auf ein Massenpublikum ausgerichteten Arbeiten einen zum einen die klaren und perfekt realisierten Referenzen an filmische Vorbilder wie Alfred Hitchcock, Sergej Eisenstein oder Stanley Kubrick. Zum anderen spielt De Palma immer wieder aufs Neue mit Erzähltechniken (Spiel auf Zeit) und Kamera-Optionen und -Perspektiven. Seine so oft erfolgreiche Suche nach ungewöhnlichen Einstellungen im Verbund mit einer stilsicheren Bildbrillanz machen ihn zu einem Bilderstürmer der kommerziellen Art, wie sie Hollywood nur selten zu bieten hat.

Der im Deutschen selten dämlich betitelte Wise Guys stammt aus dem Jahre 1986, kurz bevor De Palma The Untouchables drehte. Was er dort im Stile eines fast opernhaften Hochglanzwestern gestaltete, verpackt er in Wise Guys in die leicht verdaulich anmutende Hülle des Slapstick: die Mafia, die Welt von Ehre, Mannhaftigkeit und Tugend, Recht und Ordnung und deren Uminterpretation. Danny DeVito und Joe Piscopo geben zwei Tolpatsche, die ihren Paten übers Ohr hauen wollen und zur Strafe sich gegenseitig als Beweis ihrer Loyalität erschießen sollen. Mit Wise Guys schließt De Palma an die Tradition seiner frühen Komödien an und versucht sich – unter Weglassen der leicht anarchischen Anklänge – an einem recht gradlinigen Slapstick-Plot. Die Pointen sitzen dank so großer Schauspieler wie Dan Hedaya oder Harvey Keitel ziemlich perfekt, und gerade in Hinblick auf De Palmas Nachfolgewerk The Untouchables fungiert Wise Guys als irrwitziges Beispiel seiner Vielfalt. Ohne Frage ist dies nicht sein größtes Werk, doch eine solch lockere Hand in der Inszenierung eines konventionell anmutenden Stoffes kann an einem Fernsehabend keine Reue aufkommen lassen. 1970-01-01 01:00
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