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Wir haben vergessen zurückzukehren

D 2000. R,B: Fatih Akin. K: Gordon A. Timpen. S: Andrew Bird. P: Megaherz.
59 Min.

Porträt der Einwanderergeneration

Von Sascha Seiler Fatih Akin ist ein junger, türkischstämmiger Regisseur, der sich in seinem Erstlingswerk kurz & schmerzlos auf unterhaltsame Weise mit dem Leben junger Türken in Hamburg-Altona auseinandersetzte. Im letzten Jahr gelang Akin mit seinem Film Im Juli ein äußerst amüsantes und vor allem erfolgreiches Roadmovie, das seine Hauptdarsteller Moritz Bleibtreu und Christiane Paul auf eine Reise von Hamburg über das ehemalige Jugoslawien nach Istanbul schickte und sie dort die große Liebe finden ließ.

Für die BR-Reihe »Denk ich an Deutschland«, in der junge deutsche Filmemacher sich auf verschiedenste Art und Weise mit dem Leben in ihrer Heimat auseinandersetzen, begibt sich Akin, wie schon in Im Juli, auf die Reise von Deutschland nach Istanbul. Von dort aus reist er in das kleine Fischerdorf Zonguldak, aus dem sein Vater stammt und in dem bis zum heutigen Tag ein Teil seiner Verwandtschaft lebt.

Diese sehr persönlich inszenierte Dokumentation zeigt das Leben türkischer Gastarbeiter der zweiten und ditten Generation in einer neuen Heimat, die ihnen vertraut und gleichzeitig auch oft fremd erscheint. »Wir haben einfach vergessen, wieder zurückzukehren«, kommentiert Akins Vater lakonisch die Frage des Regisseurs nach dem Grund ihres Bleibens. Aus den ursprünglich geplanten zwei Jahren in Deutschland sind mittlerweile 35 geworden. Andere entschieden sich dafür, doch zurückzukehren; viele folgten aus verschiedenen Gründen dem Ruf des Westens nicht und blieben in ihrem beschaulichen Fischerdorf. Und auch diese Daheimgebliebenen kommen zu Wort und reflektieren über den wahren Grund ihrer Heimatverbundenheit.

In diesem sehr sensibel und einfühlsam erzählten Film zeigt Fatih Akin anhand seiner eigenen Familie das Schicksal tausender türkischstämmiger Einwanderer, die Zeit ihres Lebens ein Dasein zwischen zwei Kulturen führen und führt dem Zuschauer die unterschiedlichen Facetten des nahezu unüberbrückbaren inneren Konflikts des »Deutsch-Türkisch-Seins« vor.

Zugleich ein Porträt der Einwanderergeneration, als auch eine Spurensuche eines jungen Künstlers, sollte man die Erstaustrahlung von Wir haben vergessen zurückzukehren auf keinen Fall verpassen. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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