— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Wie ich den Krieg gewann

How I Won the War. GB 1966. R: Richard Lester. B: Charles Wood. K: David Watkin. M: Ken Thorne. P: United Artists, Petersham. D: Michael Crawford, John Lennon, Roy Kinnear, Lee Montague, Jack McGowran, Karl Michael Vogler u.a.
110 Min. United Artists ab 7.11.67

Dada im Zweiten Weltkrieg

Von Oliver Baumgarten Der vielgerühmte »Schwarze Humor« der Briten hat zweifellos eine lange Tradition. Einer der ganz großen filmischen Vertreter findet sich im unschlagbaren Richard Lester, Schöpfer der Beatles-Filme, des Drei Musketiere-Slapsticks oder zweier Superman-Filme. In seinem 1966 entstandenen Wie ich den Krieg gewann entfacht Lester ein Feuerwerk an Zitaten, Geschmacklosigkeiten, Nonsens und visuellen Spielereien, mit dem er an die britische Filmgeschichte anknüpft. Ein Geflecht aus Bezügen, Reminiszenzen und gezielten Gemeinheiten, das sich zu einem Anti-Antikriegsfilm-Film vereint.

Die Hauptfigur: ein Tolpatsch im Stile von Blake Edwards' Inspektor Clouseau, die flächige Farbgebung ist Pop-Art in Vollendung, die Szenerie und das Setting rekurrieren auf David Lean (auch die Musik bedient sich bei der Brücke am Kwai und Lawrence von Arabien), und die sarkastischen Floskeln sind entlehnt aus 50 Jahren britischem Kriegsfilm. Kaum vorstellbar, daß nach diesem morbiden Kriegskaleidoskop überhaupt noch Kriegsfilme gedreht wurden. Truppen marschieren durchs Bild, mittendrin Zwei in einheitlich glänzendem Blau auf Plastiksoldaten geschminkt.

»Schaltet doch die Kamera aus!«, brüllt eine Figur, über einen verletzten Kameraden gebeugt. Das ist deshalb zum Schießen komisch, weil weder die Kamera, noch der Schauspieler sich eine Sekunde Mühe geben, authentisch zu wirken. Schon nach zwei Minuten verspricht einer der Figuren direkt in die Kamera, er werde nachher in Nordafrika sterben. Das macht er dann auch, hübsch theatralisch, den Blick wieder in die Kamera, mit einem Ist-der-Krieg-nicht-furchtbar-brutal-Ausdruck im Gesicht, der nichts anderes transportiert als die Tatsache, daß Krieg im Film eben vor allem brutal lächerlich ist.

Wie ich den Krieg gewann ist nicht einfach eine Genreparodie, er negiert das Genre, kündigt ihm seine Existenzberechtigung, macht alles lächerlich, was fortan Kriegsfilm heißt. Der geradezu lyrische, dadaistische Nonsens, den die Figuren sprechen, ist nicht einmal zwingend komisch, sondern einfach nur offen nichtssagend – so nichtssagend, wie die im Dialog aufbereitete Anklage sinnloser Gewalt in gewalttätigen Filmen.

Worum es geht ist nicht wichtig, weil darum geht es nicht. Aber trotzdem: Ein Haufen britischer Soldaten soll während des Zweiten Weltkriegs unter der Führung eines einfältigen Emporkömmlings (»Soldat, warum sind wir hier?« »Um unsere Mütter stolz zu machen?«) hinter den feindlichen Linien in Nordafrika ein Cricketfeld für hohen Besuch errichten. Der Auftrag klappt zwar nicht so ganz, dafür gewinnen die Alliierten aber des Emporkömmlings wegen den Krieg. Respektlos und einfallsreich: eine wahre Pop-Ikone. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

Sitemap