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Wie bringt man seine Frau um…

How to Murder Your Wife. USA 1964. R: Richard Quine. P,B: George Axelrod. K: Harry Stradling sr.. S: David Wages. M: Neal Hefti. P: Murder Inc. D: Jack Lemmon, Virna Lisi, Terry-Thomas, Eddie Mayehoff, Claire Trevor, Sidney Blackmer u.a.
113 Min. United Artists ab 7.4.65

Spritzige Abrechnung mit Eheklischees und Moralvorstellungen der 50er Jahre

Von Frank Brenner Terry-Thomas war einer der begnadetsten und hierzulande völlig zu Unrecht am meisten unterschätzten britischen Komiker der 50er und 60er Jahre. Obwohl er aus der Arbeiterschicht stammte und sich seinen Weg ins Rampenlicht mühsam erarbeiten mußte, wurde er in englischsprachigen Filmen zum Inbegriff des piekfeinen Herrn von Welt. Meist in wichtigen Nebenrollen verhalf er mit seiner unterkühlten Darstellung des britischen Snobs von überwiegend zweifelhaftem Ansinnen so mancher Komödie zu mehr Witz, Stil und Charme.

Auch in Wie bringt man seine Frau um… spielt Terry-Thomas mal wieder nur die zweite Geige. Trotzdem schafft er es, daß selbst der großartige Jack Lemmon neben ihm blaß wirkt. Noch während der Titeleinblendung wendet sich Terry-Thomas' Stimme aus dem Off direkt ans Publikum, das sich nach seiner Mutmaßung aus überwiegend verheirateten Männern zusammensetzt, was der provokante Titel ja in gewisser Weise auch nahelegt. Er stellt sich als der Butler des eingefleischten Junggesellen Jack Lemmon vor, für den er aber nicht nur Diener, sondern auch Freund und Berater ist. Nach den Credits ist er auch im Bild zu sehen, spricht uns Zuschauer direkt an, führt uns durch die »bescheidene« Stadtwohnung seines Arbeitgebers und macht uns mit der alltäglichen morgendlichen Routine vertraut. Die beiden sind ein eingespieltes Team.

Die Routine wird jäh zerstört, als Lemmon nach einer durchzechten Junggesellenparty plötzlich selbst verheiratet ist – noch dazu mit einer Italienerin, die kein Wort von dem versteht, was er sagt! So schnell wie möglich versucht Lemmon also, die rassige Virna Lisi wieder loszuwerden, zumal sein Butler, der auch in seinem Pyjama noch ein Einstecktuch trägt, ihn vor die Wahl stellt: »Sie oder ich!« Im folgenden gerät der unfreiwillige Ehemann immer häufiger zwischen die Fronten und legt sich letztendlich einen Plan zurecht, wie er seine italienische bessere Hälfte am besten wieder aus dem Weg schaffen kann…

Richard Quines Film ist die pointierte Abrechnung mit den Weichspülerkomödien der 50er Jahre, in denen der Bund fürs Leben und eine unantastbare Moralvorstellung gepriesen wurden. Mit bitterbösem Humor und grandiosen Darstellern macht er sich über die Ehe lustig, die Terry-Thomas in einer Szene »eine merkwürdige Verbindung« nennt. Frauen haben den kurzzeitigen Vergnügungen und der allgemeinen Aufheiterung des Mannes zu dienen, solange dieser noch ungebunden und frei ist. Nach der Heirat verwandeln sie sich in hysterische, das Geld verprassende und den Mann unter den Pantoffel stellende Furien. Eddie Mayehoff und die kürzlich verstorbene Claire Trevor stellen ein Musterehepaar dieser Kategorie dar. Zusammen mit dem ironischen Unterton des Films sind es dann auch diese drei Nebendarsteller, die dem Film ein komödiantisches Schimmern verleihen, das auch heute noch nicht verblaßt ist. 1970-01-01 01:00
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