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Widows – Erst die Ehe, dann das Vergnügen

D 1997. R: Sherry Hormann. B: Kit Hopkins. K: Hans-Günther Bücking. S: Christel Sukow. M: Peter Wolf. D: Ornella Muti, Katja Flint, Eva Mattes, Uwe Ochsenknecht, Martin Benrath, Huub Stapel, Heino Ferch, Gruschenka Stevens, Michaela May u.a.
93 Min. Buena Vista ab 22.1.98

Alle lieben Heino

Von Oliver Baumgarten Wenn es im deutschen Kinojahr 1997 einen Schauspieler gegeben hat, der sich schlagartig an die Spitze gespielt hat, dann war es Heino Ferch. Und nicht etwa deshalb, weil er ausschließlich in Kassenerfolgen wie Comedian Harmonists zu sehen war, sondern weil er in Rollen vollkommen unterschiedlicher Ausrichtung überzeugen konnte.

Spielte er noch in Comedian Harmonists den Part des ernsten und introvertierten orthodoxen Juden Cycowski, zeigt Heino Ferch in Widows als Wunsch-Witwen-Tröster gänzlich andere Qualitäten. Drei verheiratete Freundinnen plagen sich, jede auf ihre Art, mit ihren Gatten herum und kommen irgendwann auf die fixe Idee, als Witwe würde alles besser. Doch der Weg dahin ist schwierig, und die Ergebnisse am Ende vielfältig: Bei der einen klappt's, bei der anderen passiert's, und die dritte tut als ob. Ferchs Vince Travelli, ein cooler, frauenverzehrender Rocksänger, hat Glück: Er ist nicht verheiratet – dafür aber seine Betthäschen, von denen zwei zu unseren lustigen Witwen zählen. Und die lassen sich nur ungern ausnutzen.

Sherry Hormann, die nach Irren ist männlich erneut auf die amerikanische Drehbuchautorin Kit Hopkins und Komponist Peter Wolf vertraute, interessiert hier nicht ausschließlich der platte Witz, den die zunächst banal scheinende Grundkonstellation hergeben könnte. Sie konfrontiert vielmehr Wunschgedanken mit Variationen ihrer Erfüllung, die drei unterschiedliche Frauen unterschiedlich erleben. Das gewaltige Mannsbild Travelli, das selbstbewußt Eindruck auf jede Frau macht, besetzt sie mit Heino Ferch, der mit einem Hauch Selbstironie gewürzt beweist, daß er einen wuchtigen und körperbetonten Part ebenso glaubwürdig erscheinen lassen kann, wie den des eher feingeistigen Cycowski. 1970-01-01 01:00
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