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Wenig Chancen für Morgen

Odds Against Tomorrow. USA 1959. R: Robert Wise. B: Abraham Polonsky, John O. Killens, Nelson Gidding. K: Joseph Brun. S: Dede Allen. M: John Lewis. P: Harbel. D: Harry Belafonte, Robert Ryan, Ed Begley, Shelley Winters u.a.
96 Min. United Artists ab 29.1.60

Ein s/w Film

Von Holger Liepelt Robert Wise? Wer ist Robert Wise? Robert Wise ist als Regisseur ein nahezu unbekannter Name. Dabei umfaßt sein Werk mehr als 40 Filme, darunter Blockbuster wie West Side Story, Star Trek – The Movie oder The Hindenburg, aber auch viele kleine, feine Filme wie The Haunting oder I Want to Live!.

Es ist nicht so, daß Wise ein Filmautor ist. Es ist schwierig, einen roten Faden innerhalb seiner Filme zu finden, der die Filme als Wise-Filme kennzeichnen würde. Er hat viele Auftragsarbeiten angenommen und diese mal mit mehr, mal mit weniger Hingabe ausgeführt.

Odds against Tomorrow gehört sicherlich zu den kleineren Filmen, doch auch zu denen, die mit Sorgfalt und Hingabe an den Stoff geschaffen wurden. Es ist ein Film noir über einen Bank-Überfall. Den Genreregeln folgend finden sich hier einander fremde Menschen für den großen Wurf zusammen. Die treibende Kraft dabei ist Ex-Polizist Dave Burke, der eine Bank teils aus Geldgründen, teils aus Rache an seinen ehemaligen Kollegen, überfallen will. Er rekrutiert zwei seiner Freunde, die sich untereinander nicht kennen. Der Zusammenhalt innerhalb der Gang wird von Beginn an in Frage gestellt, ist doch einer der beiden ein Schwarzer, der andere ein Rassist. Der Versuch, sich für den Raub zusammenzuraufen, führt zur Katastrophe.

Die Buchvorlage von William P. McGivern endet versöhnlich, Slater und Ingram lernen durch ihre Zusammenarbeit einander schätzen, die Vorurteile werden überwunden. Da aber kurze Zeit zuvor The Defiant Ones erschienen war, wollte Wise seinen Film nicht wie eine Neuauflage wirken lassen, änderte den Schluß und führt seine Figuren mit einer beklemmenden Zwangsläufigkeit in den Untergang. Der Bankraub und das gemeinsam eingegangene Risiko reichen nicht aus, um eine gemeinsame Basis zu schaffen. Auf diese Weise wirkt der Film ungleich härter, schärfer akzentuiert, bekommt man doch kein ideologisches Lehrstück vorgeführt, sondern sieht die Auswirkungen von Rassismus in all ihrer Häßlichkeit.

Die Gegenüberstellung von Schwarz und Weiß findet sich auch bildlich wieder: Die Aufnahmen in Odds against Tomorrow sind stark kontrastiert. Es gibt keine Grauschattierungen, keine weichen Übergänge, sie führen von einem Extrem ins andere. Wenig Chancen für Morgen zeigt sich somit als ein wahrer Schwarz-Weiß-Film. 1970-01-01 01:00
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