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Weites Land

The Big Country. USA 1958. R: William Wyler. B: James R. Webb, Robert Wilder, Sy Bartlett. K: Franz Planer. S: Robert Belcher, John Faure. M: Jerome Moross. P: Peck-Wyler Prod. D: Gregory Peck, Jean Simmons, Carroll Baker, Charlton Heston, Burl Ives, Charles Bickford u.a.
158 Min. United Artists ab 26.3.59

Habermas im Wilden Westen

Von Thomas Warnecke Ein weites Feld, so ließe sich trefflich kalauern, wird da beackert in William Wylers Spätwestern. Die Frage nach dem Sinn der Gewalt, Vernunft, Demokratie und das konfliktlösende Potential des Gesprächs, kurz: Gregory Peck kommt als Jürgen Habermas des Wilden Westens daher, der seine Theorie des kommunikativen Handelns unter den verfehdeten Ranchern Henry Terrill und Rufus Hannassey predigt.

Sein Unwille, sich zu prügeln, führt freilich dazu, daß die Tochter des einen Ranchers, die er heiraten will, sich von ihm abwendet, weil sie ihn für einen Feigling hält. Doch da hat Peck schon sein Auge auf – bezeichnenderweise – die ortsansässige Lehrerin geworfen, die sich praktischerweise auch noch im Besitz des Streitobjektes, einem wasserreichen Grundstück nämlich, befindet. Angereichert ist das Epos noch mit Vater-Sohn- und Herr-Knecht-Konflikten, daß Psychoanalytiker und Soziologen – wie meistens bei besseren Western – ihre helle Freude hätten. Filmfreunde allerdings haben gelegentlich bekrittelt, daß Peck sich doch gar zu vernünftig, ja brav (praktisch ein Todesurteil) verhalte, während der Film selbst durchaus nicht auf Gewalt verzichten wolle.

Da ist natürlich etwas dran. Gregory Peck sah ja selbst in seiner berühmten Verkörperung des düsteren Kapitäns Ahab noch ein wenig wie Abraham Lincoln aus, und der Mann mit dem markanten Gesicht war nie ganz frei von Holzschnitt in seinem Spiel, doch da paßt es nur allzu gut, daß einer seiner anfänglichen Gegenspieler von Charlton Heston verkörpert wird, dessen Figur praktisch als einzige eine Wendung zum Guten durchmacht - Peck ist ja gut von Anfang an.

Was Weites Land aber vor allem sehenswert macht, ist die exzellente Regiearbeit von William Wyler. Der oft etwas herablassend als solider Handwerker bezeichnete Meister – wie dankbar wäre nicht zuletzt das deutsche Kino für ein paar solide Handwerker! – hat sich immer wieder mit der Notwendigkeit von Gewalt auseinandergesetzt, mit The Desperate Hours 1954 etwa einen der besten Krimis jener Zeit über dieses Thema gedreht. Auf die in diesem Film so eindrucksvoll exerzierte innere Montage ließ sich mit dem beim Titel The Big Country fast obligatorischen Breitwandformat zwar weniger zurückgreifen, doch auch bei dem eher zur Fläche denn zur Tiefe neigenden Format gelingen Wyler lange Einstellungen von dramatischer Wucht, etwa als Rufus Hannassey in die Begrüßungsfeier hereinplatzt, die Terrill für seinen vermeintlichen Schwiegersohn in spe ausrichtet.

Die für einen so dimensionierten Western unerläßlichen epischen Qualitäten beweisen Wyler und sein Kameramann Franz Planer schon alleine dadurch, wie sie die stets präsente, wenig abwechslungsreiche staubige Einöde der Szenerie zu einem Hauptdarsteller machen, was zum etwas biblischen Charakter der Handlung paßt – ein Jahr nach Weites Land verfilmte Wyler Ben Hur – sie aber gleichzeitig vor trockener Parabelhaftigkeit bewahrt. Ein vielleicht sperriger, aber in jeder Hinsicht sehenswerter Film aus der Dämmerung des Genres. 1970-01-01 01:00
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