— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Warum hab' ich ja gesagt?

Designing Woman. USA 1957. R: Vincente Minnelli. B: George Wells. K: John Alton. S: Adrienne Fazan. M: André Previn. P: Dore Schary für MGM. D: Gregory Peck, Lauren Bacall, Dolores Gray, Sam Levene u.a.
118 Min. MGM ab 31.12.58

Erst die Ehe und dann – Vergnügliches Allerlei zwischen Peck und Bacall nach einer Blitzhochzeit

Von Nikolaj Nikitin Wenigstens haben sie nicht im Suff in Kalifornien geheiratet, sondern sich nur in jenem kennengelernt, obwohl sich am Morgen danach Sportreporter Peck nicht an die adrette Modeschöpferin Bacall erinnern kann. Während Bacall mit ihrem aristokratischen Blick und ihrer Modelhaltung durchaus als Grand Dame der Haute Couture überzeugt, ist Peck als etwas verschrobener Sportjournalist eher gewöhnungsbedürftig. Einmal erinnert, spürt er jedoch recht schnell eine deutliche Anziehung zu ihr – wobei, und das ist ja das Schöne an den amerikanischen Filmen der 50er, die Balzzeichen eindeutiger von ihr ausgehen. »Ich muß immer sehr viel essen, wenn ich mich verliebe«, konstatiert sie und bestellt sich anschließend ein Sieben Gänge-Menü.

Nach ein paar nett verbrachten Stunden trauter Zweisamkeit wagt man gleich den großen Schritt und heiratet. Zurück in New York kommt die Ernüchterung: Er wohnt in einer Bruchbude, in der anzügliche Fotos rumfliegen, einer seiner besten Kumpels ist ein zerdetschter Boxer, er will pokern und die übliche Männerwirtschaft betreiben – Oscar läßt grüßen. Sie wohnt in einem Palast, stammt aus einer der angesehensten Familien und verkehrt ausschließlich mit Künstlern – und die sind im Film ja eh immer entweder verrückt oder kriminell, meistens beides. Doch die Liebe ist stärker als alle Hindernisse, selbst ein leicht aufgesetzter Krimiplot kommt da nicht in die Quere, und zum Schluß wird alles gut.

Bis dahin gibt es dank der leichtfüßigen Regie des begnadeten Vincente Minnelli, des Schöpfers der vielleicht bewegendsten Hollywood-Glamourositäten jener Zeit, Situationskomik, die manchmal in erfreuliche Slapstickmomente umschwingt und herrlich komischen Dialogwitz. Minnelli war nicht nur ein Meister des großen Musicals – in dem Film wird natürlich durch eine leicht aufdringliche Nebenhandlung reichlich gesungen und getanzt – sondern auch der leisen Zwischentöne. So ist es eine Wonne, Peck dabei zu beobachten, wie ihm ein Teller Nudeln auf den Schoß gekippt wird, und er versucht, ohne jegliches Aufsehen in die Küche zu kommen. Es bleibt unnötig zu erwähnen, daß er in den nächsten Szenen mit einer viel zu kurzen Hose durchs Bild läuft.

Der Film ist nur so überfrachtet von absurden Charakteren, denen allerdings stets ein entscheidender Beitrag zur Entwicklung der Geschichte zukommt, auch die Narration ist nicht immer stimmig – der Film beginnt mit Pecks direkter Ansprache an das Publikum: »Haben Sie auch neulich von dieser komischen Geschichte gehört?« Interviewt dann die restlichen Beteiligten, um dieses Stilmittel wieder zu vernachlässigen, jedoch in den passenden Momenten wieder als innere Stimme der Figuren einzuführen. Warum hab' ich ja gesagt? stellt ein buntes Potpourri dar, getragen von einem erfahrenen Cast und einem brillanten Regisseur: Hollywoods U-Kino at its best. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

Sitemap