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Viva Maria!

Viva Maria. F/I 1965. R,B: Louis Malle. B: Jean-Claude Carrière. K: Henri Decaë. S: Suzanne Baron, Kenout Peltier. M: Georges Delerue. P: N.E.F., Art. Associés, Vides. D: Brigitte Bardot, Jeanne Moreau, George Hamilton, Gregor von Rezzori u.a.
110 Min. United Artists ab 22.1.66

Wenig Respekt

Von Jutta Klocke Südamerika zu Beginn des letzten Jahrhunderts: Mit der aus ihrer Heimat geflohenen Tochter eines irischen Freiheitskämpfers und einer umhertingelnden Tänzerin treffen zwar zwei recht unterschiedliche Frauen aufeinander, die sich jedoch als Duo auf der Variété-Bühne wunderbar ergänzen. Ebenso verhält es sich mit den für diese beiden Rollen ausgewählten Darstellerinnen. Brigitte Bardot als impulsive Sprengstoffexpertin und eine mütterliche und dabei doch energische Jeanne Moreau bilden das perfekte Ensemble der zu Volksheldinnen und Revolutionsführerinnen aufsteigenden »Maria und Maria«.

Der Weg zu diesem Status ist turbulent. Eher zufällig stolpert die fahrende Künstlertruppe der beiden Amazonen von einem amüsanten Abenteuer ins nächste. Louis Malle, ansonsten eher ein Mann der leiseren Töne oder lakonischer Bilder, geht alles andere als sparsam mit humoristischen Elementen um. So lassen nicht nur die knallbunten Bühnenkleider der Heldinnen den Film temperamentvoll erscheinen, sondern auch die Gag-Ideen der Autoren, die in so kurzen Abständen aufeinanderfolgen wie die Schußsalven aus den automatischen Feuerwaffen, mit denen der Unterdrücker Rodriguez am Ende besiegt wird. Die Situations- und Figurenkomik dient dabei nur selten einem reinen Selbstzweck wie in der Szene, in der aus der Not des zerreißenden Kleides während eines Auftritts die – nun ja – »Tugend« des Striptease gemacht wird. Der Film entpuppt sich vielmehr als Persiflage auf die Abenteuerfilme Hollywoods, indem er sich deren Komikmuster zueigen macht, sie aber gleichzeitig durch ständige Übertreibung parodiert.

Malle nutzt die Möglichkeiten, die ihm die Wahl dieses Genres bietet, voll aus – er schöpft nicht nur aus dem Klischeefundus der zahlreich vertretenen Nationalitäten, sondern verpaßt auch der Kirche wie dem wohlanständigen Spießbürger den einen oder anderen Seitenhieb. Bei so wenig Respekt vor Genre-, Moral- und vor allem Geschlechterkonventionen ist es eigentlich kaum verwunderlich, daß Viva Maria! seinerzeit die 68er-Generation begeisterte. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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