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Vierzig Wagen westwärts

The Hallelujah Trail. USA 1964. R: John Sturges. B: John Gay. K: Robert Surtees. S: Ferris Webster. M: Elmer Bernstein. P: The Mirisch, Kappa. D: Burt Lancaster, Lee Remick, Jim Hutton, Donald Pleasance, Pamela Tiffin u.a.
134 Min. United Artists 21.12.65

Schnaps-Idee

Von Oliver Baumgarten Wenn sich die Schwingtür des Saloons öffnet und der Held den Raum betritt, führt ihn sein Begehr immer zunächst an den Tresen: flugs einen Whisky bestellt, runtergestürzt und einen zweiten geordert. Neben der Knarre, so lernen wir aus über 100 Jahren Westernfilmgeschichte, ist der Whisky des Westmanns engster und treuester Begleiter. So weit die Siedler auch in den Westen vordringen mögen, das edle Gesöff ist stets schon da und löscht eifrig Pionierdurst.

Wie der Whisky im Wilden Westen nun letztendlich regelmäßig an seine Konsumenten geraten ist, das zeigt John Sturges in seinem äußerst komisch erzählten Vierzig Wagen westwärts: im Hallelujah-Treck nämlich. Burt Lancaster als Colonel Thaddeus Gearhart ist der staatstragende Job übergeben worden, einen riesigen Wagen-Treck voller Whisky-Fässer seinem Bestimmungsort zuzuführen, namentlich eine Mine bei Denver, wo es den staubfressenden Arbeitern nach Schnaps dürstet. Ein solch eminent wichtiger Auftrag kann natürlich nur schwerlich geheim gehalten werden, so daß der Colonel auf seinem Weg auf allerlei Schnapsdrosseln, Vertreterinnen einer militanten Frauenliga, die Kavallerie und anderes Gesindel stößt, das seiner wertvollen Fracht habhaft werden möchte.

John Sturges als einer der versiertesten Regisseure des Spätwesterns ist mit Vierzig Wagen westwärts eine brillante Parodie gelungen, von seinen Stars präzise gespielt und in schöne bunte Bilder gefaßt, die die über zwei Stunden Laufzeit extrem kurzweilig füllen. Einmal mehr stellt sich die Agilität und Selbstironie des einstigen Zirkusartisten Burt Lancaster als erfrischender Gegenpol zu den alternden Westernhelden heraus, die etwa mit John Wayne seit langem nur noch müden Selbstabklatsch produzierten. Mehr als andere große Unterhaltungsregisseure der 50er und 60er setzte John Sturges in den USA von jeher auf die Besetzung von vielen Stars in einem Film, die er mit großem Geschick zu dirigieren verstand. The Magnificent Seven, The Great Escape oder Ice Station Zebra gehören eindeutig zu den Filmen mit enormem Staraufgebot, bei denen das Konzept voll aufgeht und die ihre Faszination genau daraus zu ziehen vermögen.

Vierzig Wagen westwärts ist ein ziemlich unbeschwertes Abenteuer, dessen Kinoplakat mit einem entsprechenden Claim für sich warb. Zwei Jahre vorher lief mit einigem Erfolg How the West Was Won, ein Beispiel eines Films mit riesigem Staraufgebot, der so gar nicht funktioniert. Darauf sich berufend lautet das Motto von Sturges' Film: »How the West Was Fun«. Während man in Italien gerade das gute alte amerikanische Genre demontierte, bewies man mit Vierzig Wagen westwärts ein ungewollt hohes Maß an Galgenhumor. 1970-01-01 01:00
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