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Unternehmen Rosebud

Rosebud. USA 1975. R: Otto Preminger. B: Paul Bonnecarrere, Joan Hemingway. K: Denys N. Coop. S: Thom Noble, Peter Thornton. M: Laurent Petitgirard. D: Peter O'Toole, Richard Attenborough, Cliff Gorman, Isabelle Huppert, Klaus Löwitsch u.a.
121 Min. United Artists ab 25.4.75

Dem Terror auf der Spur

Von Mark Stöhr Otto Preminger zählte mit Fritz Lang, Billy Wilder und Fred Zinnemann zu den vier wichtigsten Wiener Filmemigranten in Hollywood und blieb doch wie sie stets ein Außenseiter im glamourösen Filmbusiness-Dschungel. Karsten Witte bezeichnete ihn einmal als »Eklektiker, der kleine Stoffe stets in großen Schaufenstern ausstellte«, – ohne Zweifel ein brillanter Handwerker, der sich traumwandlerisch sicher durch sämtliche Genres bewegte, sei es in dem für die 40er Jahre höchst ungewöhnlichen Kriminalfilm Laura (1944), der Bizet-Adaption Carmen Jones (1954), in der er den Prosper-Merimée-Stoff in den amerikanischen Süden verlegte und die Hauptrollen durchweg von Schwarzen spielen ließ, oder dem Polit-Statement Der Mann mit dem goldenen Arm (1955), der schonungslosen Geschichte eines Drogenabhängigen mit Frank Sinatra in der Titelrolle. Nie ist ihm jedoch ein wirklich großer Wurf gelungen, dreimal war er für den Oscar nominiert, ging bei den Verleihungen bis zu seinem Tod 1986 aber immer leer aus.

Auch Unternehmen Rosebud, Premingers zweitletzter Film, gehört nicht unbedingt ins Pantheon der hundert größten Meisterwerke und war bei seinem Erscheinen 1975 ein ziemlicher Flop. Ein durchaus kurzweiliger und packend inszenierter Agenten-Thriller zwar, doch zu durchschaubar in seinem übereilten Bemühen, das in den 70er Jahren anbrechende Zeitalter des Terrorismus der Populärkultur auf unterhaltsame Weise gefügig zu machen. Nach einem zeitgenössischen Bestseller von Paul Bonnecarrere und Joan Hemingway gedreht, geht es um fünf junge Mädchen aus der internationalen Geldaristokratie, die bei einem Mittelmeer-Törn mit der Motorjacht »Rosebud« von palästinensischen Terroristen entführt und nach Korsika verschleppt werden. Die Familien der Mädchen setzen all ihre Hoffnungen auf den britischen Undercover-Agenten Larry Martin, der im Sold der CIA steht. In enger Zusammenarbeit mit dem israelischen Geheimdienstmann Hamlekh und dem deutschen Agenten Schloß tastet er sich an das Versteck der Entführer heran, die von dem skrupellosen Sloat kommandiert werden.

Der Konflikt zwischen dem westlichen Freiheitsdiktum und dem Fanatismus finster dreinblickender Araber: Die Wiederausstrahlung just zum jetzigen Zeitpunkt entbehrt nicht einer gewissen Aktualität und führt dabei auch zu der Erkenntnis, daß sich der reale Anti-Terrorkampf in dreißig Jahren zunehmend den Dramaturgien von Hollywood angenähert hat. Das macht Unternehmen Rosebud trotz oder vielleicht auch gerade wegen seines simplen Gut-Böse-Schemas heute wieder sehenswert. Sein Cast ist es in jedem Fall: Peter O'Toole gibt den spitzzüngig-distinguierten britischen Allround-Agenten, Klaus Löwitsch seinen humorlos-bärbeißigen deutschen Kollegen und die noch mädchenhafte Isabelle Huppert läßt schon erahnen, daß sie einmal in die divinöse Grande-Dame-Liga einer Catherine Deneuve aufsteigen sollte. 1970-01-01 01:00
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