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Die Trapp-Familie

BRD 1956. R: Wolfgang Liebeneiner. B: Georg Hurdalek. K: Werner Krien. M: Franz Grothe. P: Divina-Gloria. D: Ruth Leuwerik, Hans Holt, Maria Holst, Josef Meinrad, Friedrich Domin u.a.
105 Min. Gloria ab 10.10.56

Verdrängungsopus

Von Oliver Baumgarten Dieser Zweiteiler war Propaganda am leidgeprüften Volk, fiktionaler Balsam auf stolzgekränkten Seelen und ein Schrei des Selbstbewußtseins in die Welt hinaus. Wolfgang Liebeneiner, als Produktionschef der UFA im dritten Reich geübt in marktschreierischer Optik, gelingen in seinen Trapp-Filmen zahlreiche solcher Bilder, die seine Intention überdeutlich werden lassen. Am schönsten erklärt sich dies an einer Sequenz im zweiten Teil: Die Bildebene präsentiert die New Yorker Skyline (das Budget erlaubte komplette Originalaufnahmen in NY), während auf der Tonspur die singende Trapp-Familie deutsches Liedgut auf jene Bilder der Weltstadt hernieder prasseln läßt.

Nicht einmal trotzig ertönt »Kein schöner Land« beim Anblick der Weltmetropole, dem Symbol von Freiheit und Macht: Das war eine Botschaft, die das Durchhaltefilm-gewohnte deutsche Kinopublikum nur allzu gut verstand und in sich aufsog. Die Trapp-Familie war mit Abstand der erfolgreichste Film der gesamten Heimatfilmwelle und verkaufte sich sogar nach Amerika, wo er mit Sound of Music gar neu gedreht wurde. Hans Holt verkörperte den guten Österreicher, der Land und Villa hergibt, um sich Hitlers Macht zu entziehen, Ruth Leuwerik eine Novizin, die Holt schließlich heiratet und als Mutter Trapp die Familie beisammen und bei Laune hält.

Basierend auf einem dünnen Gerüst wahrer Begebenheiten (»Es stimmt kein Wort – aber es ist wunderbar!«, sagte einst die echte Baronin Trapp), arbeitet Wolfgang Liebeneiner äußerst geschickt ein Harmoniebestreben heraus, das ganz exakt den Wünschen der Nachkriegsdeutschen entsprach. Auch wenn wir unseren Reichtum verloren haben, so geht es uns doch nicht schlecht. Wir haben unsere Familie, krämpeln die Ärmel hoch und arbeiten, uns unserer Tugenden besinnend, mit Fleiß wieder hoch. So simpel diese Botschaft auch sein mag, so überdeutlich hat sie sich gezeigt – im gesamten Heimatfilm der 50er und, leicht abgewandelt, selbst noch in den ersten Karl May-Filmen der 60er Jahre.

Funktioniert der Film als Traumfabrik, so ist er mit am besten geeignet, über die Befindlichkeit einer Generation Aufschluß zu geben. Dergestalt ist ein Film wie Die Trapp-Familie aus heutiger Sicht extrem spannend zu sehen. Gerade das, was wir als »schmonzettenhaftig« zu erkennen glauben, transportiert all die Informationen über Sehnsüchte und Wünsche, die Liebeneiner als alter Filmprofi perfekt für sich zu nutzen versteht. Ein Visionär ist er nie gewesen, doch stets einer mit Gespür für die richtige Note seiner Zeit. 1970-01-01 01:00
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