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Tod auf dem Nil

Death on the Nile. GB 1978. R: John Guillermin. B: Anthony Shaffer. K: Jack Cardiff. S: Malcolm Cooke. M: Nino Rota. P: EMI. D: Peter Ustinov, Jane Birkin, Bette Davis, Mia Farrow, Jon Finch, David Niven u.a.
140 Min. Neue Constantin ab 13.10.78

Ich bin Belgier!

Von Oliver Baumgarten Natürlich, das wissen wir. Hercule Poirot ist freilich kein Franzose, auch wenn er verdammt wie einer aussieht. Jede Figur, die das nicht weiß, ist denn auch schwer verdächtig, was wiederum auch nichts Besonderes ist, da die Stories der Agatha Christie sich ja bekanntermaßen dadurch auszeichnen, daß per se erst einmal jeder verdächtig ist. Das tatsächlich Reizvolle an den Büchern, speziell aber an den Verfilmungen der Krimis um Poirot, liegt denn auch in ihrem Ensemblecharakter. In Tod auf dem Nil beschränkt sich beispielsweise sowohl Täterkreis als auch Schwerpunkt der Handlung im allgemeinen auf die Reisenden einer Nilkreuzfahrt. Eine Millionenerbin feiert auf dem Dampfer ihre Hochzeit – allerdings zusammen mit der versammelten Schar verwandter und bekannter Neider, die alle durch diese Verbindung geldmäßig nicht gerade begünstigt werden. So muß die Gute folgerichtig durch eine Kugel sterben, und dem schnurrbärtigen Poirot obliegt die Lösung dieses kniffligen Falls.

Die Geschichte spult sich routiniert im Stile Christies ab, amüsiert hier und ist spannend dort. Das eigentlich Bemerkenswerte, das, was Tod auf dem Nil auch beim siebten Mal noch staunen läßt, das sind die blendenden Leistungen der so namhaften Künstler vor und hinter der Kamera. Nicht allzu oft kommt es vor, daß sich Dutzende von altgedienten Meistern ihres Faches zusammentun und etwas künstlerisch Hochwertiges zustande bringen. Zunächst natürlich die Riege überaus launiger Stars, die in dieser Kombination eine erstaunliche Harmonie ausstrahlen. Neben Peter Ustinov, der ja im April 80ten feiert (wir gratulieren – trotz EXPO-Spot), gibt sich die halbe Filmgeschichte auf dem Nildampfer die Motive in die Hand: Harry Andrews (eine imposante Figur des internationalen Kinos, leider trotz Moby Dick oder The Hill publizistisch sträflich vernachlässigt), Jane Birkin, Bette Davis (mit grimmigen Posen in blendender Form), Mia Farrow (pieps), Jon Finch, Olivia Hussey, Angela Lansbury (die spätere Miss Marple), George Kennedy (der, der überall dabei ist), David Niven, die göttlich blasierte Maggie Smith und Jack Warden.

Für die perfekte Ausleuchtung dieser illustren Mimenschar sorgte mit Jack Cardiff einer der bedeutendsten britischen Kameraleute, der in diesem Jahr als erster Kameramann einen Ehren-Oscar erhielt. An Originalschauplätzen in Ägypten gedreht, erinnern seine Brillanz und Opulenz ausstrahlenden Bilder an die alte Hollywood-Eleganz, was die oscarprämierten und herrlich dekadenten Kostüme von Anthony Powell mit Nachdruck zu unterstreichen verstehen. Schließlich ergänzen die fein orchestrierten Kompositionen des Fellini-Komponisten Nino Rota den Spaß an diesem Stück Kino des guten alten Handwerks.

Der Mann, der all diese Fäden routiniert zusammenhält, ist der Brite John Guillermin, dessen Filmographie erstaunlich erfolgreiche, aber ebenso erstaunlich unterschiedliche Produktionen aufweist. Er schuf Ende der 50er zwei Gordon Scott-»Tarzan«-Filme, drehte Kriegsfilme wie The Blue Max (1965) oder The Bridge of Remagen (1968), drehte 1972 den legendären Shaft in Africa, sorgte zwei Jahre später mit Towering Inferno für den finanziell erfolgreichsten Katastrophenfilm der 70er Jahre, ehe es nach King Kong (1976) und eben Death on the Nile nur noch Zweitklassiges zu vermelden gibt. Guillermin zählt dennoch fraglos zu einem britischen Regie-Dreigestirn, das etwa 30 Jahre lang recht kontinuierlich die Abenteuer- und Action-Ambitionen der Insel erfolgreich und handwerklich hochwertig vertrat. Komisch nur, daß er nie einen Bond verfilmen durfte, die anderen beiden taten es: Guy Hamilton und Terence Young. 1970-01-01 01:00
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