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Sprengkommando Atlantik

North Sea Hijack. USA 1979. R: Andrew V. McLaglen. B: Jack Davies. K: Tony Imi. S: Alan Strachan. M: Michael J. Lewis. P: Cinema Seven, Universal. D: Roger Moore, James Mason, Anthony Perkins, Michael Parks, Jeremy Clyde u.a.
100 Min. CIC ab 22.5.80

Starkmacherfilm

Von Oliver Baumgarten Terroristen- und Söldnerfilme mit Haudrauf-Mentalität und unverhohlen gewissenloser Gewaltideologie hatten zwischen Ende der 70er bis Mitte der 80er Jahre in den USA eine florierende Konjunktur. Die USA waren Ende der 70er wegen innenpolitischer Turbulenzen wirtschaftlich am Boden und vom verlorenen Krieg im Selbstbewußtsein stark geschwächt. Die Nation krankte dahin und war getrieben von Allmachtsphantasien, die sie zu alter Stärke bewegen sollten. George Lucas verschob diese 1977 ins All und schuf damit dem unterschwelligen Expansionsdrang eine eindringliche Metapher und gleichsam einen Vorboten auf eine Goliath-Politik, die 1980 die Nation ergriff. Söldnertruppen und Ex-Soldaten wie »Die Wildgänse«, »Die Seewölfe« oder »The Soldier« sprangen für die gedehmütigte US-Armee in die Bresche und fochten alte Kämpfe aus, besiegten üble Terroristen und vietnamesische (oder gerne auch deutsche) Kriegsverbrecher. Stars aus besseren Hollywood-Tagen waren es zunächst (von Stewart Granger bis Gregory Peck), später dann Schwarzenegger und Stallone, Chuck Norris und Dolph Lundgren: muskelprotzende Superhelden mit Riesenwummen, deren öligen nackten Oberkörper fast wieder an die Sandalenfilme erinnerten, deren Botschaft allerdings nichts anderes transportierte als die hormonschwere Propaganda nationaler Stärke. Es war das passende Genre des regierenden Präsidenten, des Ex-Cowboys Ronald Reagan.

Andrew V. McLaglen gedieh zum sehr erfolgreichen Regisseur dieses Action- und Kriegsfilm-Subgenres, und dabei stört es auch überhaupt nicht, daß der gebürtige Brite und Schützling John Waynes immer wieder gerne britische Bezüge in seinen Filmen herstellt. So besteht etwa die Spezialeinheit in Sprengkommando Atlantik, die eine Bohrinsel aus den Händen gefährlicher Terroristen befreien soll, aus Briten – und die Darsteller weitestgehend auch. McLaglen gehört zu diesen filmischen Grobmotorikern, die gerne mit Borste unterschreiben, dabei aber stets Solides hervorbringen – nicht im Bereich der Figurenzeichnung freilich, eher im Bereich großzügiger Explosionspanoramen.

Die Charaktere sind in Sprengkommando (wie bei McLaglen üblich) aus grobem Holz geschnitzt, weshalb man sich vermutlich dazu entschied, die Figuren mit Stars zu besetzen, damit diese dann etwaige Leerstellen einfach mit Persönlichkeit füllen. So gesehen besitzt Sprengkommando Atlantik in all seiner Produktionsroutine einen spröden Charme und in seiner reaktionären Haltung wieder fast eine Naivität, die sich aus heutiger Sicht neu erschließen mag. Denn, so wollten uns die vergangenen zwei Jahre lehren: Der Terrorist von heute ist auch nicht mehr das, was er einmal war. Es ist der historische Kontext, der Fließband-Action wie Sprengkommando Atlantik heute wieder absolut sehenswert erscheinen läßt. 1970-01-01 01:00
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