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Die Strohpuppe

Woman Of Straw. GB 1964. R: Basil Dearden B: Robert Muller, Stanley Mann. K: Otto Heller. S: John D. Guthridge. M: Norman Percival. P: Novus, Michael Relph. D: Gina Lollobrigida, Sean Connery, Ralph Richardson, Alexander Knox, Johnny Sekka, Laurence Hardy, Peter Madden, Danny Daniels, Noel Howlett u.a.
112 Min. United Artists ab 27.8.64

Mallorca sehen und erben

Von Carsten Happe Der Tod kennt kein Erbarmen und erst recht kein Gespür für Timing. In Hitchcocks Immer Ärger mit Harry tauchte die ungebetene Leiche wieder und wieder zu den unpassendsten Augenblicken auf, in der erstaunlich temporeichen Komödie Immer Ärger mit Bernie, die sich durch die deutsche Titelgebung ein wenig zu eng an den erwähnten Klassiker anlehnt, geht Bernie zum denkbar unglücklichsten Zeitpunkt den Weg alles Irdischen. Wenigstens über das Wochenende (Weekend at Bernie´s lautet der treffendere Originaltitel) muß er noch für lebendig gehalten werden – ein denkbar schwieriges Unterfangen für die gestressten Andrew McCarthy und Jonathan Silverman.

Auch Gina Lollobrigida hat in Die Strohpuppe ein ähnliches Problem: Ihr millionenschwerer, todkranker Ehemann (Ralph Richardson) stirbt auf der Rückreise von Mallorca, kurz bevor das auf sie umgeschriebene Testament bei den Anwälten hinterlegt werden kann. Dessen Neffe (Sean Connery) bedrängt sie, ihn wenigstens für so lange lebendig erscheinen zu lassen, bis das Testament rechtskräftig ist, denn ihr Gewinn ist auch seiner. Er, der sonst übergangen worden wäre, hat sie bereits zur Heirat mit seinem tyrannischen Onkel angestiftet, hat einen (fast) perfekten Plan ausgetüftelt, der letztendlich auch ihr Schicksal besiegelt, hätte er nicht eine Kleinigkeit übersehen…

Eine Komödie wie die oben erwähnten lebensverlängernden Maßnahmen ist Die Strohpuppe weiß Gott nicht geworden. In erster Linie ist der Film, der sich erst langsam zum Thriller entwickelt, ein Duell der Schauspielergiganten Richardson und Lollobrigida. Ihre gemeinsamen Szenen elektrisieren die Leinwand bzw. den Bildschirm; Connery, der nach drei James Bond-Filmen auf einem ersten Höhepunkt seiner Karriere war, kann da nur schwer Paroli bieten. Auch Regisseur Dearden weiß um die Ausstrahlung seiner italienischen Hauptdarstellerin und scheut sich nicht, sie mitunter voyeuristisch in Szene zu setzen. Denn Gina Nazionale ist sein Star, weder ein Püppchen, noch aus Stroh, ein Star, wie ihn das Kino viel zu selten erlebt. 1970-01-01 01:00
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