Auferstehung
Von Natalie Lettenewitsch
Von der bitteren Frustration, mit der Emir Kusturica nach der teils plakativ politisch korrekten Kritik an seinem komplexen Meisterwerk Underground ankündigte, nie wieder einen Film zu drehen, scheint in dieser schrillen Komödie nichts übrig. Der Legende nach verschwor sich damals sein Produktionsteam, um den Regisseur mit einem gemeinsam erdachten Projekt zur Arbeit zurückzulocken – das hat glücklicherweise funktioniert, und so läßt Kusturica, für dessen Filme eifrige Feuilletonschreiber längst das Adjektiv »fellinesk« kreiert haben, von neuem und mit scheinbar mehr Energie denn je Brautschleier fliegen, Pappkartons flitzen und einen Erhängten baumeln (diesmal an einer Bahnschranke), und nebenbei die überdimensionale Sängerin Black Obelisk mit ihrem Hintern Nägel aus einem Balken ziehen. Mit Schwarze Katze, weißer Kater kehrt er zurück zu den Roma, deren Lebenskunst und Hang zum Aberglauben ihn, jenseits der Folklore-Klischees, schon in Time of the Gypsies interessierten – nunmehr jedoch ganz ohne dessen tiefenwirksame Düsternis.
Die Szenerie spielt am Ufer der Donau, von Kameramann Thierry Arbogast in fröhlich-warmes, »mediterranes« Licht getaucht: Matko, ewig über´s Ohr gehauener kleiner Schwarzhändler, der mit Unterstützung des alten Zigeunerpatriarchen Grga Pitic einen großen Coup landen will, wird von dem reichen Gangster Dadan ausgebootet; dieser erpreßt ihn und verlangt, er solle seinen Sohn Zare mit Dadans kleinwüchsiger Schwester »Ladybird« verheiraten, obwohl Zare eine andere liebt. Am Ende kriegen sich jedoch nach vielerlei Verwicklung wie in einer Shakespeare-Komödie alle, die sich wollen; die einstweilen auf Eis gelegten toten Großväter erwachen wieder, und der fiese Dadan landet in der eigenen Scheiße. Zwei vermeintliche Beerdigungen finden schließlich doch nicht statt, dafür zwei glückliche Hochzeiten – weiße Schleier statt schwarzem Trauerflor.
Fast trotzig erzählt Kusturica sein heiteres Slapstickmärchen; laut Selbstdiagnose hat er sich »von der Tragödie befreit«, sie steckt nicht mehr ganz so spürbar hinter der Komik, wenn sie auch potentiell immer da ist. Das mögen wir ihm gönnen, und sogar das kitschige Happy End inklusive des schon fast zu Tode zitierten »Beginn einer wunderbaren Freundschaft« verzeihen (ein Griff in die filmhistorische Mottenkiste, wie er ihn eigentlich nicht nötig hätte). Aber es bleibt der Wunsch nach mehr; hoffentlich wird Kusturica mit noch vielen weiteren Filmen sein Gelübde brechen. Dabei zeigt dann vielleicht auch mal die schwarze Katze wieder mehr Krallen.