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Der Schakal

The Day of the Jackal. GB 1973. R: Fred Zinnemann. B: Kenneth Roth. K: Jean Tournier. S: Ralph Kemplen. M: Georges Delerue. P: . D: Edward Fox, Terence Alexander, Michel Auclair, Alan Badel u.a.
142 Min. CIC ab 11.10.73

Die Fratze archaischer Brutalität

Von Daniel von Rosenberg Der Schakal – in der Welt der Tiere, Synonym für einen schlauen und listigen, aber auch skrupellosen Einzelgänger. Einen kompromißlosen Jäger, der seine Beute in freier Wildbahn gnadenlos und präzise zur Strecke bringt.

Auch der menschliche Antiheld dieses mustergültigen und von Regielegende Fred Zinnemann überaus aufwendig inszenierten Polit-Thrillers besitzt diese Attribute. Denn sein Blick auf die Menschen ist - ähnlich dem, des sich im hohen Gras anpirschenden Raubtiers – der Blick eines sich perfekt tarnenden Jägers.

Seine Perspektive ist die eines nahezu Unsichtbaren, der zwar stets in der Nähe, ja sogar unter den Menschen lebt, aber – trotz gleicher Gestalt – keiner der ihren ist. Eines eleganten Prädatoren, der erst im geeigneten, alles entscheidenden Augenblick kaltblütig und ohne Zögern zuschlägt.

Ausgangspunkt dieser packenden Verfilmung des aus historischen Fakten und brillanter Fiktion kreierten Weltbestsellers von Frederick Forsyth ist ein mißlungener Anschlag auf Frankreichs Präsidenten Charles de Gaulle im Jahre 1963. Die verantwortliche Terrororganisation OAS (»Organisation de l´Armèe Secrete«), die aus dem Untergrund den verhaßten französischen Staat bekämpft, wendet sich daraufhin an einen geheimnisvollen, legendären englischen Profikiller mit dem selbstgewählten Decknamen »Der Schakal« (Edward Fox).

Dessen einzige Bedingungen: eine halbe Million Dollar und absolut freie Hand bei der Durchführung seines Auftrags. Mit beeindruckender Akribie und großer Umsicht beginnt »Der Schakal« seine Vorbereitungen, die ihn durch halb Europa führen. Von London, über Genua – wo ihm ein italienischer Waffenexperte ein ungewöhnlich leichtes, überall verstaubares Präzisionsgewehr anfertigt – bis in die französische Hauptstadt Paris, wo der gedungene Mörder am Jahrestag der Befreiung Frankreichs sein Vorhaben zu Ende bringen will. Doch trotz strengster Geheimhaltung, erfährt der französische Abschirmdienst schon bald von dem geplanten Anschlag auf das Staatsoberhaupt. Nun gilt es den Killer vor dem tödlichen Showdown zu finden und unschädlich zu machen. Aber dieser Mann ist ein Phantom, und den Ermittlern fehlt ein Name oder ein Gesicht, nach dem gefahndet werden könnte. Der eilig einberufene Krisenstab unter Leitung des Spezialisten Kommissar Lebel (Michel Lonsdale) gelangt schließlich, mit britischer Amtshilfe, an nützliche Informationen, die ihn auf die Fährte des Schakals führen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn der todbringende Einzelgänger ist für seinen konsequenten Perfektionismus berüchtigt, und die Feierlichkeiten auf den Champs-Elysées rücken immer näher.

In einer seiner letzten Regiearbeiten zieht der gebürtige Wiener und viermalige Oscarpreisträger Fred Zinnemann (1907 - 1997), der nach dem Krieg zu einem der bedeutendsten Regisseure Hollywoods aufstieg, (The Seventh Cross, From Here To Eternity, High Noon), noch einmal meisterhaft sämtliche Register des Genres.

Ähnlich detailversessen wie »Der Schakal« selbst, dokumentiert Zinnemann – ganz Profi – mit scheinbar distanzierter Kühle die Vorbereitungen des Killers und die Gegenmaßnahmen der Polizei.

Der vorher nahezu unbekannte, perfekt besetzte Edward Fox in der titelgebenden Hauptrolle, spielt den eiskalten Einzelgänger als tadellosen Gentleman mit tausend Gesichtern, der permanent seine Identitäten wechselt. Ein selbstsicherer Dandy mit feingeschnittenen Gesichtszügen, dem ein Unhold mit der häßlich verzerrten Fratze archaischer Brutalität innewohnt. Somit ist Der Schakal – nicht zu verwechseln mit dem amerikanischen Pseudo-Remake aus den 90er Jahren – ein großartiger Kinothriller mit einer herausragenden Spannungsdramaturgie, die auch im »kleineren« Medium Fernsehen ihre Wirkung vorzüglich zu entfalten weiß. 1970-01-01 01:00
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