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Sanders und das Schiff des Todes

Coast of Skeletons. GB 1964. R: Robert Lynn. B: Anthony Scott Veitch, Peter Welbeck. K: Stephen Dade, Egil S. Woxholt, Ronnie Maass. S: John Trumper. M: Christopher Whelen. P: Towers of London. D: Richard Todd, Heinz Drache, Marianne Koch, Elga Andersen, Dale Robertson u.a.
84 Min. Constantin ab 30.4.65

Edgar Wallace in Südwest-Afrika

Von Oliver Baumgarten Edgar Wallaces Karriere als Romanautor begann in den frühen 10er Jahren mit Geschichten des schneidigen Sanders, einem aufrechten Abenteurer, der in den Kolonialgebieten Afrikas seine loyalen Dienste der britischen Regierung zur Verfügung stellt und natürlich gegen mächtig viel Unrecht kämpft. Unrecht gegen das britische Königreich – natürlich. Nachdem etwa 50 Jahre nach der literarischen Niederkunft der ersten Wallaceschen Figuren Europa und dabei speziell Deutschland und Großbritannien das Wallace-Fieber im Film ergriffen hatte, nahm sich der später wahrhaft berüchtigte Billigfilm-Produzent Harry Alan Towers dieser frühen Romanfigur an. Die reine Krimischiene begann zu langweilen, dem Publikum dürstete nach fremden Ländern, Abenteuer und Exotik, was nicht zuletzt auch die Flut von Hongkong-Schmugglerfilmen (die, in denen der Bösewicht immer von Horst Frank gespielt wird) zwischen 1963 und 1966 beweist.

So also verpflichtete der Schnellfilmer und seine sinniger Weise »Towers of London« getaufte Produktionsfirma für Sanders mit Richard Todd einen zwar leicht abgehalfterten Weltstar, aber doch glaubhaften Kolonial-Errol-Flynn und zimmerte zwei Verfilmungen zusammen. Sanders und das Schiff des Todes ist der zweite Film, der inhaltlich sanft an den ersten anknüpft (obwohl Marianne Koch in den Filmen zwei vollkommen unterschiedliche Figuren verkörpert). Die deutsche Constantin beteiligte sich damals ungenannt an der Produktion. Hierzulande war es ihnen schließlich unmöglich, die Wallace-Rechte lagen sämtlich bei Rialto Film und Brauners CCC.

Daß Heinz Drache und Marianne Koch zwei Hauptrollen belegten, ist aber nur zum Teil daraus zu erklären, daß diese beiden Filme natürlich hauptsächlich auch für den deutschen Markt produziert wurden. Beide waren, zu einer Zeit, als es noch einen publikumsträchtigen europäischen Film gab, auch im Ausland durchaus bekannt, was beim 50er Jahre Heimchengesicht Koch gar zu einem Leone-Auftritt gereichte. Heinz Draches grenzüberschreitender Erfolg, das beweist auch hier seine Rolle als tougher Kapitän zur See, ist schon eher begreiflich. Ähnlich einem Joachim Fuchsberger verkörperte er eine gewisse neue Coolness, eine ungeheuer selbstbewußte Stärke, eine Körperlichkeit, wie sie eher aus Amerika bekannt war. Mit leicht zusammengekniffenen Augen quetscht er seine Worte zwischen den Zähnen durch, und seine Selbstsicherheit flößt Respekt ein.

Harry Alan Towers, der unter seinem bei europäischen Exploitationliebhabern nicht weniger legendären Pseudonym Peter Welbeck das Drehbuch verfaßte, liefert mit Sanders und das Schiff des Todes routinierte und zum Teil erstaunlich lockere Abenteuerkost ab, die Regisseur Robert Lynn mit Bildern erträglicher Exotik, gängiger Schießereien und ansehnlicher Action illustriert. Der Plot (Sanders gerät in eine Schatzsuche und will den Wettlauf mit einem korrupten Unternehmer gewinnen) ist eher bekannt denn ausschlaggebend. Spaß macht es, dem zunächst zwielichtig erscheinenden Drache bei seiner durchaus modernen Interpretation zuzusehen und über zeitgeistreflektierende Dialoge zu schmunzeln: »So wie der aussieht, könnte der glatt in einem Edgar-Wallace-Film mitspielen!« Und das muß man schon dazusagen, denn wie ein typischer Edgar-Wallace-Film wirkt Sanders nun wirklich nicht. Dafür sorgt die allzu deutliche Handschrift von Mr. Towers, der – bildlich gesprochen – gerne mit Pinsel unterschreibt… 1970-01-01 01:00
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