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Das Privatleben des Sherlock Holmes

The Private Life of Sherlock Holmes. GB 1970. R,B: Billy Wilder. B: I.A.L. Diamond. K: Christopher Challis. S: Ernest Walter. M: Miklós Rózsa. P: Phalanx Productions, The Mirisch Corporation. D: Robert Stephens, Colin Blakely, Christopher Lee u.a.
120 Min. Universal ab 22.7.77

Holmes auf Koks

Von Daniel Albers Zu Lebzeiten hat Dr. Watson (Colin Blakely) immer dicht gehalten. Zum Glück, denn sonst wäre der Mythos des großen Londoner Detektivs Sherlock Holmes (Robert Stephens) niemals so entstanden, wie wir ihn kennen. Jetzt aber, nach 50 Jahren kommt die Wahrheit ans Licht. Holmes war extrem kokainsüchtig, schwul, frustriert, und das Schlimmste: Er war fehlbar.

Die Stimme des Kollegen und Freundes Dr. Watson ertönt aus dem Off und deckt pikante Details aus dem Privatleben des Sherlock Holmes auf. Vor allem aber wird erstmalig der Fall um die schöne Mme Gabrielle Valladon (Geneviève Page) der Weltöffentlichkeit bekannt gemacht, bei dem der Meisterdetektiv sich wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert hat.

Sie wird eines Nachts plötzlich an der Haustür der Ermittler-WG abgeliefert, mit nichts bei sich als einem Zettel, auf dem die Adresse in der Baker Street 221b vermerkt ist. Auf die Lady scheint ein Mordversuch verübt worden zu sein, sie selbst kann sich jedoch an nichts mehr erinnern. Holmes wittert nach langer, frustrierender Durststrecke endlich wieder einen Fall und beginnt mit seinen (zunächst sehr unorthodoxen) Ermittlungen, die ihn und Watson ins geheimnisvolle Schottland führen, wo sie Gabrielles verschwundenen Mann vermuten. Und eine Frage steht hinter allem: Was hat Holmes' für die Regierung arbeitender Bruder Mycroft (Christopher Lee) mit dem ganzen Fall zu tun?

Billy Wilder ringt mit seiner satirischen Komödie dem Detektiv-Helden eine völlig neue Seite ab, was ihm damals noch empörte Reaktionen einbrachte. Heute jedoch sorgt die leichte, latent ironische Erzählweise des Films für ein nostalgisches Fernseherlebnis mit hohem Schmunzelfaktor. Herrlich absurd sind z.B. die Experimente des zynischen Meisterdetektivs zur Klassifizierung der verschiedenen Sorten von Zigarettenasche.

Ein schöner Clou rundet Billy Wilders angenehm unaufdringlich subversive Variante des Mythos um den immer noch größten Detektiv der Literaturgeschichte ab. Nicht verpassen: den Gastauftritt eines gewissen historischen Staatsoberhauptes in den Schlußminuten des Films. 1970-01-01 01:00
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