— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Der Preis

The Prize. USA 1963. R: Mark Robson. B: Ernest Lehman. K: William H. Daniels. S: Adrienne Fazan. M: Jerry Goldsmith. P: MGM. D: Paul Newman, Elke Sommer, Edward G. Robinson, Diane Baker u.a.
129 Min. MGM ab 20.3.64

Paul Newman trinkfreudig

Von Jutta Klocke Der Titel dieser Krimikomödie kommt recht bescheiden daher, handelt es sich doch bei dem erwähnten Preis um keinen geringeren als den Nobel-Preis, der Jahr um Jahr für herausragende Leistungen auf den verschiedensten Gebieten verliehen wird. Die Vorbereitungen und das Zeremoniell der Verleihung selbst bilden den Hintergrund für Mark Robsons ebenso komischen wie spannenden Spionagethriller.

Im Zentrum des illustren Kreises von Preisträgern steht Paul Newman als trinkfreudiger und der Ehrung keinerlei Interesse entgegenbringender Schriftsteller Craig, der einer mysteriösen Verschwörung auf die Spur kommt, dabei aber von niemandem ernstgenommen wird. So macht er sich allein auf die Suche nach dem entführten Nobel-Preisträger für Physik, der von den Kommunisten durch einen Doppelgänger ausgetauscht wurde und nun nach Leningrad gebracht werde soll, wo man dessen Erkenntnisse gegen den westlichen Feind anzuwenden beabsichtigt.

Die Thematik des Kalten Krieges ist zwar ziemlich abgegriffen und in diesem Fall auch etwas hanebüchen, was sich aber leicht verdrängen läßt, da sie lediglich als Aufhänger für die amüsanten Ermittlungen Craigs dient. Zudem ist dieser Kriminalfall bei weitem nicht die einzige Ursache, welche die ansonsten so gediegene Veranstaltung ins Wanken bringt. Die kuriosen Nebenfiguren drängen sich durch ihre ganz eigenen Problemchen immer wieder in die Handlung, stören nicht nur die Vorbereitungen des großen Abends, sondern auch Craigs Detektivarbeit. Ihre Miteinbeziehung schafft neben dem schnoddrigen Protagonisten den komischen Ausgleich zur Spannung der Spionagegeschichte.

Die Dynamik, die der immerhin über zwei Stunden dauernde Film zu halten vermag, ist in erster Linie dem Drehbuchautoren Ernest Lehman zuzuschreiben, der sich bereits mit seiner Vorlage zu Hitchcocks North by Northwest als Meister komplexer Handlungszusammenhänge ausgewiesen hatte. Dem damaligen Nobel-Preis-Komitee wäre ein bißchen weniger Dynamik und vor allem Komik wohl lieber gewesen – ihm war Der Preis eher ein Dorn im Auge, bei dem es die altehrwürdige Auszeichnung ohne den nötigen Respekt behandelt sah. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

Sitemap