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Nordwest-Passage

Northwest-Passage. USA 1940. R: King Vidor. B: Laurence Stallings, Talbot Jennings. K: Sidney Wagner, William V. Skall. S: Conrad A. Nervig. M: Herbert Stothart. P: MGM. D: Spencer Tracy, Robert Young, Walter Brennan, Ruth Hussey u.a.
125 Min. MGM ab 25.2.55

Die ersten Amerikaner

Von Jutta Klocke Nein, die amerikanische Westküste ist nicht das Ziel, an das die Ranger-Gruppe um Major Rogers, gespielt von Spencer Tracy, am Ende des Films gelangt. Vielmehr ziehen diese harten Burschen um die Mitte des 18. Jahrhunderts aus, um gegen einen mit dem französischen Feind sympathisierenden Indianerstamm vorzugehen, der seine neuen britischen Nachbarn nicht gerade herzlich willkommen geheißen hat. Wenn auch der Titel von King Vidors erstem Farbfilm insofern etwas irreführend ist, so steht die Nordwest-Passage als die sagenumwobene Überwindung der Last Frontier doch sinnbildlich für den Pioniergeist der Rogers-Ranger und vor allem für den ihres Anführers. Was der Durchbruch zur Westküste im großen Stil bedeuten würde, das wird hier anhand einer kleineren, wenn auch nicht weniger gefährlichen Expedition vorgeführt.

Die Kernaussage des Films ist einfach und der des Western ganz ähnlich: Hier werden wir noch einmal Zeugen der Geburt des wahren Amerikaners, der als kühner Kämpfer den Gefahren der Wilderness, der unwegsamen Natur mitsamt ihrer barbarischen Ureinwohner, trotzt und sich ein neues Land kraft seines Willens zu eigen macht. Und so sind es auch nicht die offiziell uniformierten Soldaten der königlichen Garde, die ins Feld gegen den Feind ziehen, sondern Männer, deren Trapper-ähnliche Kleidung bereits deutlich macht, daß sie sich schon nicht mehr als Briten, sondern als erste Generation echter Amerikaner verstehen.

Als guter Lehrer in Sachen Kampfgeist und Selbstdisziplin erweist sich der Major, der seine Truppe selbst in den ausweglosesten Situationen dank seines Mutes zu verwegenen Manövern stets ans Ziel geleitet. So wird aus einem Stück amerikanischer Pioniergeschichte ein Abenteuerfilm, passend gekleidet im Technicolor-Gewand, das die Naturkulisse Idahos immer wieder in den Mittelpunkt rückt. Geradezu schmerzlich empfindet man allerdings die wieder einmal – und dazu in recht aggressiver Weise – proklamierte Selbstgerechtigkeit, mit der die Amerikaner ihre Anfänge als Eindringlinge auf fremdem Territorium beurteilen. Um Nordwest-Passage wirklich genießen zu können, muß die eigene Sensibilität gegenüber rassistischen Tendenzen und der Umkehrung historischer Rollenverhältnisse schon arg zurückgeschraubt werden. 1970-01-01 01:00
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