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Nacht über Manhattan

Night Falls on Manhattan. USA 1997. R: Sidney Lumet. B: Robert Daley, Sidney Lumet. K: David Watkin. S: Sam O'Steen. M: Mark Isham. P: Spelling Films. D: Andy Garcia, Ian Holm, James Gandolfini, Lena Olin u.a.
114 Min. Tobis ab 19.6.97

Dunkles Ich

Von Constanze Frowein In dem 1996 entstandenen Polizeithriller Night Falls on Manhattan widmet sich Sidney Lumet ein weiteres mal der Auseinandersetzung mit Polizeikorruption in New York. Es ist eine Stärke Lumets, mithilfe von schnörkellosen Einstellungen und klaren Handlungsstrukturen den Gedanken um gesellschaftlich brisante Fragen nach Korruption innerhalb der komplexen Funktionsweisen eines Rechtssystems in den Mittelpunkt zu rücken. Ethische Fragestellungen um das menschliche Gewissen oder Ausgrenzung behandelt der technisch versierte Regisseur oftmals emotional, ohne dabei jedoch rührselig zu werden. Schon in seinem Kinodebüt setzte er mit dem oscarnominierten Twelve Angry Men den Schwerpunkt auf die Bedeutung zwischenmenschlicher Verantwortung und Kommunikation. Bereits 1973 befaßte sich Lumet erstmalig filmisch mit New Yorker Polizeikorruption in Serpico. Es folgten thematisch verwandte Auseinandersetzungen wie 1975 Hundstage und 1981 Prince of the City.

Auch mit Night Falls on Manhattan vermengen sich der Wunsch nach Gerechtigkeit mit dem gleichzeitigen Bewußtsein, durch persönliche Beziehungen beeinflußt zu sein: Sean Casey kann seine Karriere als oberster Staatsanwalt in Manhattan nicht vor der eigenen Befangenheit bei der Aufklärung eines Mordes schützen. Sein als Polizist involvierter Vater und die Liebe zu der gegenparteilichen Verteidigungsassistentin machen bald klar: Keiner ist vor der eigenen Subjektivität gefeit.

Lumet erscheint als Virtuose der Grauzonen, die nicht geschönt werden können, denn »wenn wir versuchen, alles unter Kontrolle zu bringen, wird am Ende alles uns kontrollieren. Nichts ist, was es scheint.« (Lumet, »Filme machen«) Und so läßt uns der Altmeister des amerikanischen Films mit dem mulmigen Gefühl in Bezug auf das eigene Ich eines jeden Einzelnen zurück. 1970-01-01 01:00
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