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Mordbrenner von Arkansas

Welcome To Hard Times. USA 1967. R,B: Burt Kennedy. B: E. L. Doctorow. K: Harry Stradling Jr. S: Aaron Stell. M: Harry Sukman. P: MGM. D: Henry Fonda, Janice Rule, Keenan Wynn, Janis Paige u.a.
103 Min. MGM ab 9.6.67

Harte Zeiten für Hasenfüße

Von Jutta Klocke Hard Times heißt das Örtchen tief im noch kaum besiedelten amerikanischen Westen, in dem man Henry Fonda zum Bürgermeister bestimmt hat. Glücklich ist er über diesen Posten nicht, hatte er doch bisher nach der Devise gelebt, »daß ein Mann sich in diesem Land nur um seine eigenen Angelegenheiten« zu kümmern hat. Eine solche Einstellung läßt an den hartgesottenen Western-Helden denken, der sich zwar als einsamer Wolf an keine Gemeinschaft binden will, am Ende aber doch immer einspringt, wenn Tatkraft und wahrer Mut gefragt sind. Fondas Figur Blue ist diesem typischen Western-Helden aber genau entgegengesetzt angelegt. Rechtsanwalt ist dieser Blue, der noch nicht einmal mit dem Gewehr umgehen kann – mitten im Nirgendwo, wo man keinen Papiertiger, sondern einen Revolverhelden braucht. Und so steht er schon bald ebenso ohnmächtig wie seine Nachbarn einem brutalen Gauner gegenüber, der die Stadt niedergebrannt und um einige Einwohner ärmer hinter sich läßt.

Die Ausgangssituation einer Siedlung, die von einem Störenfried heimgesucht wird, den es zu beseitigen gilt, kennt man aus zahlreichen Western. Burt Kennedy spielt mit der Erwartungshaltung des Zuschauers, indem er eben nicht den furchtlosen Rächer ins Duell schickt, sondern einen vermeintlichen Feigling, der nicht gleich mit dem Schießeisen ausrückt. In Mordbrenner von Arkansas wird vielmehr eine andere Tugend des Westerners hochgehalten, der Pioniergeist eines Mannes, der noch daran glaubt, eine friedliche Gemeinschaft inmitten der »wilderness« aufbauen zu können. Diese Heldenkonzeption gibt Kennedy die Möglichkeit, den Umgang mit Gewalt nicht einfach als Handlungselement zu verwenden, sondern ihn zu problematisieren und zu reflektieren. Als Spätwestern ist es dem Film ein Anliegen, die konventionelle Rolle des durch Gegengewalt für Ordnung sorgenden Lonely Riders zu hinterfragen. Daß er dabei nicht zur Moralpredigt wird, dafür sorgt schon allein das Ende, das den Weg der Gewalt tragisch ausgehen läßt, aber auch keine wirkliche Lösungsalternative bieten kann. 1970-01-01 01:00
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