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Mit eisernen Fäusten

The Scalphunters. USA 1968. R: Sydney Pollack. B: William W. Norton. K: Duke Callaghan, Richard Moore (IV). S: John Woodcock. M: Elmer Bernstein. P: Bristol Films, Norlan Productions. D: Burt Lancaster, Shelley Winters, Telly Savalas, Ossie Davis, Dabney Coleman u.a.
99 Min. United Artists ab 8.11.68

Der bunte wilde Westen

Von Jutta Klocke Am Anfang erscheint alles, wie wir es vom guten alten Western gewohnt sind: Der einsame Wolf Joe Bass reitet friedlich durch den wilden Westen, als sich auch schon Ärger durch das Auftauchen einer Gruppe Indianer ankündigt. Die Gestalt, in die der obligatorische Ärger gekleidet ist, erweist sich allerdings als äußerst originell: Dem Trapper wird im Tausch gegen seine erbeuteten Felle, die er als »Wegzoll« zu zahlen hat, der schwarze Sklave Joseph Lee zur Verfügung gestellt. Mit dieser Figur wird neben dem konventionellen Konflikt zwischen Siedlern und »Rothäuten« die im Western eher vernachlässigte ethnische Gruppe der Afroamerikaner und ihre problematische Vergangenheit als Sklaven in die Handlung eingebunden.

Wie der Spätwestern allgemein zeigt auch Mit eisernen Fäusten kein besonders positives Bild der selbstgerechten Einwanderer. Darüber hinaus aber wagt es der Drehbuchautor William Norton, auch diejenige Figur mit einem ironischen Augenzwinkern zu gestalten, die bisher gegen jegliche Lächerlichkeit gefeit war: den Helden des Genres, den einsamen und nach eigenen moralischen Regeln handelnden Einzelgänger. Der Trapper Bass ernennt zwar die Skalpjagd und damit das sinnlose Indianermorden der Weißen zum furchtbarsten Verbrechen, das er kennt. Ein gerechtigkeitsliebender Mann, sollte man meinen. Im selben Atemzug entlarvt er sich jedoch als von rassistischen Vorurteilen geprägt, indem er die Sklaverei, aus der sich sein neuer Begleiter durch eine Flucht nach Mexiko befreien möchte, anerkennt und keineswegs moralisch hinterfragt.

Pollacks Film birgt in seiner Thematisierung des Konflikts zwischen gleich drei ethnischen Gruppen einen durchaus brisanten Stoff. Erstaunlich, daß dabei dennoch eine vergnügliche Komödie entstanden ist, bei der sich selbst der politisch korrekte Zuschauer unverhohlen amüsieren darf. Denn die Komik geht eben nicht auf Kosten der Minderheiten. Nortons Drehbuch sei Dank bleibt Ossie Davis als schwarzem Darsteller die Rolle des dummen Tölpels erspart. Vielmehr ergibt sich die Komik gerade daraus, daß das Klischee umgekehrt wird und der unterprivilegierte Ex-Sklave dem weißen Helden bildungstechnisch haushoch überlegen ist. Tragikomisch dagegen ist die Verzweiflung, mit der Joseph Lee versucht, seine eigene ethnische wie auch gesellschaftliche Identität zu finden: Mal versteht er sich als »schwarzer Comanche« und mal als Bürgerrechtler, der in Mexiko als freier Mann leben will, der aber auch nicht davor zurückschreckt, sich selbst zeitweilig wieder zum Sklaven zu degradieren, um diesen Traum zu verwirklichen.

Unter dem Bemühen, dem afroamerikanischen Zugehörigkeitskonflikt Rechnung zu tragen, leidet zugegebenermaßen die Darstellung der Ureinwohner: Obwohl sie hier als Opfer und nicht mehr unreflektiert als Feinde der Weißen gezeigt werden, wirken sie dennoch irgendwie lächerlich – was natürlich vor allem daran liegen mag, daß sie im Gegensatz zum Vertreter der Schwarzen immer noch von »Bleichgesichtern« gespielt werden. 1970-01-01 01:00
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