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Meisterschaft im Seitensprung

Please Don't Eat the Daisies. USA 1959. R: Charles Walters. B: Isobel Lennart. K: Robert Bronner. S: John McSweeney. M: David Rose. P: MGM. D: Doris Day, David Niven, Janis Paige, Spring Byington, Richard Haydn u.a.
107 Min. MGM ab 2.6.60

Was für ein Theater!

Von Jutta Klocke Kate und Larry Mackay können sich wirklich nicht beklagen: Zehn glückliche Ehejahre liegen hinter dem Professor für Theaterwissenschaft und seiner Frau; die daraus hervorgegangenen vier Söhne mögen zwar keine Vorzeigeobjekte für gute Manieren sein, aber das Paar hat immerhin erfolgreiche Erziehungsstrategien entwickelt, um die Brut zu bändigen. Die Idylle gerät ins Wanken, als Larry das Angebot annimmt, für eine renommierte New Yorker Zeitung als Theaterrezensent zu arbeiten: Von seiner fürsorglichen Gattin – Doris Day in einer weiteren Paraderolle – zunächst unterstützt, verfällt der Ehemann, dargestellt von David Niven, mehr und mehr den Freuden wie auch den Gefahren seiner neuen Stellung.

Schon bald hat Larry den zweifelhaften Ruf eines gefürchteten Kritikers erlangt, was ihm das Interesse der New Yorker Partyszene einbringt. Während er sich in seiner neuen Rolle als Attraktion der High Society sonnt, bemüht sich Kate vergeblich, der Familie in dem frisch bezogenen Haus auf dem Lande ein beschauliches Heim einzurichten. Ihre Integrationsversuche in der Gemeinde stoßen bei dem inzwischen maßlos überheblichen Ehemann auf völliges Desinteresse. Statt jedoch in sinnlosen Tiraden an Larrys Familiensinn appellieren zu müssen, bietet sich Kate eine erheblich wirkungsvollere Möglichkeit, den selbstgefälligen Gatten zu läutern: Die vernachlässigte Ehefrau beschließt, mit einer Laienspielgruppe ein Stück aufzuführen – nicht ahnend, daß es sich bei dem Text um einen frühen, eher kläglichen als glorreichen Schreibversuch ihres Mannes handelt…

Der deutsche Titel des Films mag den Zuschauer zunächst in die Irre leiten: Der angedrohte Seitensprung findet in keinster Weise statt. Dies allein hebt Please Don't Eat the Daisies noch nicht aus der Reihe der zahlreichen Ehekomödien der 50er Jahre heraus, denn auch in Filmen wie The Tunnel of Love – ebenfalls mit Doris Day – oder The Seven Year Itch wird der Seitensprung des Ehemanns bloß imaginiert anstatt tatsächlich begangen, was wohl in erster Linie als Zugeständnis an die damalig strengen Sittenwächter Hollywoods aufgefaßt werden darf. Isobel Lennarts Drehbuch aber legt den Turbulenzen in der Ehe der Mackays ein weiteres, gewichtigeres Problem zugrunde und vermag so das bereits bekannte Motiv der eifersüchtigen Xanthippe und des sich windenden Möchtegern-Casanovas in eine neue Richtung zu lenken: Nicht das Interesse an einer leidenschaftlichen Affäre bringt Larry zu Fall, sondern seine neugewonnene Egomanie und Selbstüberschätzung.

So verdankt die in ihrer Grundstruktur eher konventionelle Ehekomödie ihr Temperament in erster Linie dem soliden Dialogwitz sowie dem narrativen Schwung des Drehbuchs. Auch das Rhythmusgefühl eines erfahrenen Musicalregisseurs wie Charles Walters, der u.a. High Society und Lili drehte, mag der Lebhaftigkeit des Films zugute gekommen sein. Dabei sind es nicht die zumeist statisch gehaltenen Bilder, sondern vielmehr die in ihnen – passend zur Thematik – wie auf einer Bühne herumwirbelnden Figuren, die die Erzählung in Bewegung halten.

Neben dem kurzweiligen Vergnügen, das das Zusammenspiel der wie gewohnt quirligen wie leicht biederen Doris Day und dem ironischen und selbst in seiner Überheblichkeit noch wie ein Gentleman auftretenden David Niven bereitet, bietet Please Don't Eat the Daisies all jenen Zuschauern ein Déjà-Vu-Erlebnis, die sich beim Anblick von Doris Day am liebsten an ihre ›Que sera, sera‹-Darbietung aus Hitchcocks The Man Who Knew Too Much erinnern… 1970-01-01 01:00
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